Ostpreußen im Sinn

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
tochteralice Avatar

Von


Das hat Emmi, Liesels Oma, ihr Leben lang. Auch wenn nicht immer und vor allem nicht mit jedem darüber sprechen mag. Mit Liesel schon, aber auch nicht immer und vor allem: nicht über alles. Emmi ist eine sehr alte Großmutter -im Gegensatz dazu ist ihre Tochter Melanie, Liesels Mutter, eine sehr junge Mama: sie hat Liesel schon mit sechzehn bekommen und zieht sich aus fast allen familiären Angelegenheiten, gerade auch der Erziehung ihrer Tochter, heraus und macht auch sonst nicht viel - geradezu lethargisch geht sie durchs Leben.


So ist die inzwischen neunzehnjährige Liesel die familiäre Bezugsperson für ihre Oma, die inzwischen in einem Pflegeheim lebt. Sie steht kurz vor eine lang geplanten Reise nach Ostpreußen, um endlich mal Emmis Heimat kennenzulernen. Sie plant lange unterwegs zu sein und zwar mit dem Zug.


Doch alles kommt ganz anders und auf einmal sieht sich Emmi in einem klapprigen Auto mit Jascha, einem polnischen Pfleger aus Emmis Heim und Emmi selbst auf dem Weg dorthin.


Emmi wird auf der Fahrt zunehmend gesprächiger und vermag auch wieder, Zusammenhänge darzustellen. Aber an manchen Stellen mauert sie - was wohl dahinter steckt?


Ein warmherziger Familienroman, den ich sehr genossen habe. Die Darstellung Ostpreußens ist sehr anschaulich und ich konnte Liesels Empfindungen auf der Reise gut nachvollziehen, gerade was die sich allmählich offenbarenden Familiengeheimnisse betraf. Was die familäre Konstellation anbelangt, war es mir etwas zu viel Schwarz-Weiß-Malerei - aber dieser Eindruck ist längst nicht so stark wie die positiven Aspekte.