Was die Großmutter verschwiegen hat

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Liesel Wachauf (19) hat ihr Abitur geschafft, steckt nun aber in einer Sackgasse. Ihre lethargische, arbeitslose Mutter Melanie (36), mit der sie noch zusammen wohnt, ist ihr keine Hilfe bei der Frage, was sie mit ihrem weiteren Leben anstellen soll. Und dann ist da noch Oma Emmi (79), die wegen ihrer Demenz zwar mittlerweile im Heim untergebracht ist, aber fast täglich von Liesel besucht wird. Als ihre Großmutter immer häufiger geistig in der Vergangenheit weilt, beschließt Liesel, dass sie für Emmi in deren frühere Heimat im ehemaligen Ostpreußen reisen möchte.

„Ist doch schön hier“ ist der Debütroman von Miriam Burdelski.

Erzählt wird im Präsens und in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Liesel. Dabei umfasst die Geschichte 74 kurze Kapitel, eingeleitet von einem Prolog.

Die Autorin verarbeitet in dem Roman einen Teil ihrer eigenen Biografie. Sie hat selbst im Jahr 2014 die Fluchtstrecke ihrer Großmutter bis ins ehemalige Ostpreußen zurückgelegt. Die Reise durchs heutige Polen, eine Art Roadtrip mit längeren Zwischenstopps, bildet daher den Schwerpunkt der Handlung. Jedoch sind die Figuren des Romans fiktiv. Darüber hinaus wird, was die Protagonistin angeht, eine Form von Coming-of-Age-Geschichte, erzählt.

Was zunächst wie eine eher heitere Lektüre klingt, entpuppt sich als eine zunehmend düstere Story. Nicht nur schlimme Kriegs- und Fluchterfahrungen und die glaubhaft beschriebenen Auswirkungen von Demenz werden thematisiert. Auf den rund 370 Seiten nehmen auch die dunklen Geheimnisse in Liesels Familie immer mehr Raum ein.

Der Roman legt den Fokus dabei auf die drei Frauenfiguren: Liesel, ihre Mutter und ihre Oma. Immer deutlicher wird klar, dass insbesondere Emmi, aber auch Melanie heftige Traumata erlebt haben. Während sich der Mittelteil etwas zieht, ballen sich im letzten Drittel menschliche Dramen und Schicksale, die mich überrascht und sehr berührt haben, aber nicht für zartbesaitete Leserinnen und Leser geeignet sind.

Das angenehm unaufgeregte, stimmungsvolle Covermotiv passt hervorragend zu den beschriebenen Szenen am Meer. Allerdings wirkt es ein wenig zu harmonisch in Bezug auf den teils recht harten Stoff. Der durchaus mehrdeutig gemeinte Titel ist keine schlechte Wahl.

Mein Fazit:
Mit „Ist doch schön hier“ ist Miriam Burdelski ein bewegendes Debüt gelungen. Eine ungewöhnliche, aber nicht leicht bekömmliche Lektüre. Empfehlenswert!