Wie viel Glück steht einem Menschen zu?

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theagri_liest Avatar

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Schon mit den ersten Seiten, im Prolog, mit den Schilderungen einer Altbauwohnung, hat die Autorin mein Interesse und meine Aufmerksamkeit geweckt. Herrliche Ansichten zu den Vor- und Nachteilen haben mich schmunzeln lassen. Und die kurzen, knackigen, modern geschriebenen Sätze lesen sich leicht.

Es ist die Geschichte einer kleinen Familie, gefangen in Zwängen und belastet mit unausgesprochenes Gefühlen und einem Familientrauma aus der Vergangenheit. Drei Frauen und die Frage, was Familie bedeutet. Drei Generationen und keine hat es leicht.

Tochter Liesel, Mutter Melanie, Großmutter Emmi, leben in einfacher bescheidener Situation zusammen in einer sehr kleinen Wohnung. Liesel erzählt, wie sie aufgewachsen ist, von ihrer lethargisch, melancholischen Mutter und der Großmutter, die für alles sorgte und nun an Demenz ist. Für sie möchte Emmi nach Ostpreußen reisen und das Haus ihrer Kindheit suchen, um noch einmal die Vergangenheit aufleben zu lassen.

Liesel erzählt die Geschichte selbst, sie lässt uns an ihren Gedanken und Empfindungen teilhaben. Mit klaren, eindeutigen, nüchternen Worten nennt sie die Dinge wie sie sind. Und obwohl diese oft nicht gut sind, verliert Liesel nicht ihren Optimismus und trockenenHumor. Sie will über Grenzen gehen, über sich selbst hinausgehen, um Emmi etwas für deren Liebe zurück zu geben.

Liesel stellt sich unbequeme Fragen über viele Dinge im Leben und in der Vergangenheit. Es interessiert sie, ob man sich im zweiten Weltkiueg beschweren durfte, wie es war, als die ostpreußischen Flüchtlinge kamen, wer geholfen hat, wer nicht. Und sie stellt fest, dass diese Geschichten bald verschwunden sein werden. Liesel kritisiert, meckert nicht. Sie ist eine taffe junge Frau, die anpackt wo nötig, die Mitgefühl zeigt, Verantwortung übernimmt, die sich von familiäre Lasten befreien muss, um selbst zu leben und nicht noch nicht weiß wie. Dabei muss sie viel verkraften und es ist erstaunlich, wie gut es der Autorin gelingt, dies so glaubhaft und mitfühlend zu schildern.

Der Schreibstil der Autorin hat mich sehr angesprochen. Leicht lesbar und inhaltsreich fliegt man durch die Seiten. Die Geschichte hat mich von der ersten bis letzten Seite gefangen genommen. Ein Roman, der mich beeindruckt und mein Herz erreicht hat.