Geht unter die Haut

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chiara-maria Avatar

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Ich liebe dieses Buch wirklich sehr! Nicht nur wegen der Liebesgeschichte zwischen Romy und Max, sondern vor allem wegen der Themen, die dahinterstecken.

Romy hat mich ziemlich beschäftigt. Sie liebt ihre Buchhandlung, die sie gemeinsam mit ihrem Opa führt. Zwischen all den Büchern hat sie sich eine kleine Welt geschaffen, in der sie sich sicher fühlt. Und ich glaube, genau das konnte ich so gut nachvollziehen. Bücher sind für viele von uns schließlich nicht einfach nur bedrucktes Papier. Manchmal sind sie ein Rückzugsort, wenn einem die Welt da draußen einfach zu viel wird.

Aber bei Romy steckt eben noch viel mehr dahinter. Sie hat in ihrer Vergangenheit Dinge erlebt, die sie bis heute beeinflussen. Besonders das Thema Mobbing hat mich nachdenklich gemacht. Ich finde, wir unterschätzen oft, was Menschen mit ihren Worten und ihrem Verhalten bei anderen anrichten können. Für die einen ist es vielleicht ein blöder Spruch, über den sie fünf Minuten später nicht mehr nachdenken. Für den Menschen, der ihn abbekommen hat, kann genau dieser Satz aber jahrelang im Kopf bleiben.

Und nur weil die Menschen, die einen verletzt haben, längst mit ihrem Leben weitermachen, bedeutet das nicht, dass man selbst schon damit abgeschlossen hat.

Das hat mir Jana Crämer mit Romys Geschichte noch einmal deutlich vor Augen geführt.

Dann kommt Max in ihr Leben. Ein erfolgreicher Social-Media-Star, der gefühlt genau das Gegenteil von Romy ist. Während sie sich am liebsten unsichtbar machen würde, lebt er davon, gesehen zu werden. Und ausgerechnet seine Welt soll nun dabei helfen, ihre geliebte Buchhandlung zu retten.

Diesen Gegensatz fand ich unglaublich interessant. Vor allem, weil wir heutzutage so schnell glauben, einen Menschen zu kennen, nur weil wir sehen, was er im Internet von sich zeigt. Dabei vergessen wir manchmal, dass hinter einem perfekten Bild auch ein Mensch mit Unsicherheiten, Ängsten und einer eigenen Geschichte steckt.

Was mir an Romy und Max besonders gefallen hat, ist deshalb nicht einfach nur, dass sich zwei völlig unterschiedliche Menschen näherkommen. Sondern die Frage, wie viel Mut es eigentlich kostet, jemanden wirklich an sich heranzulassen, wenn man vorher gelernt hat, dass andere Menschen einen verletzen können.

Und ich finde auch den Gedanken schön, dass Liebe nicht bedeuten sollte, einen Menschen verändern zu wollen. Romy muss nicht plötzlich laut und selbstbewusst werden, nur damit sie in Max' Welt passt. Genauso wenig sollte Max nur auf das reduziert werden, was andere von ihm im Internet sehen.

Ich mochte außerdem, dass die Buchhandlung nicht einfach nur irgendein hübscher Schauplatz ist. Für Romy hängt so viel daran. Ihre Erinnerungen, ihr Zuhause, die Verbindung zu ihrem Opa und ein Stück Sicherheit, das sie sich über die Jahre aufgebaut hat. Wenn man das im Hinterkopf behält, versteht man auch, warum die drohende Schließung für sie so viel mehr bedeutet als nur den Verlust eines Geschäfts.

Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen. Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und wollte die beiden einfach weiter begleiten. Vor allem aber mag ich, dass Jana Crämer ernste Themen anspricht, ohne dass die Geschichte dadurch ihre Wärme verliert.

Was bei mir nach dem Lesen hängen geblieben ist, ist vor allem dieser Gedanke: Wir sehen von einem Menschen immer nur einen kleinen Ausschnitt und bilden uns trotzdem oft ein, seine ganze Geschichte zu kennen. Dabei wissen wir überhaupt nicht, welche Erfahrungen ihn geprägt haben oder wie viel Kraft ihn Dinge kosten, die für uns selbstverständlich sind.

Vielleicht passt der Titel deshalb für mich auch so gut. „Jede Seite an dir“ erinnert mich daran, dass ein Mensch eben nicht nur aus den Seiten besteht, die er anderen freiwillig zeigt. Und dass gerade die Seiten, die jemand am liebsten verstecken möchte, genauso zu ihm gehören.

Ich habe Romy und Max wirklich gerne begleitet und hätte am Ende am liebsten noch ein bisschen länger in ihrer Welt verbracht.

Für mich sind es ganz klare 5 von 5 Sternen. Nicht einfach, weil es eine schöne Liebesgeschichte ist, sondern weil sie mich daran erinnert hat, wie wichtig es ist, genauer hinzusehen, bevor man über andere urteilt.