Hinter der Fassade
„Wenn außen alles laut ist, lassen Bücher mich innen ruhig werden. Und wenn man sich irgendwo fremd fühlt, dann sind sie wie Zuhause und Freiheit gleichzeitig.“ (S. 12)
Seit einem traumatischen Erlebnis in ihrer Schulzeit verkriecht sich Romy am liebsten in der Buchhandlung ihres Opas Fritz. Hier fühlt sie sich sicher, zwischen den Regalen und Buchseiten. Doch ausgerechnet jetzt droht ihr Zufluchtsort verloren zu gehen: Seit Monaten befindet sich direkt vor dem Laden eine Baustelle, die kaum noch Kunden vorbeikommen lässt. Die Miete können sie nicht mehr bezahlen, zum Jahresende wurde ihnen gekündigt. Dabei hatten Romy und ihr Opa so sehr auf das Weihnachtsgeschäft gehofft. Jetzt könnte nur noch ein Wunder helfen.
Und das betritt tatsächlich in Gestalt von Max die Buchhandlung. Allerdings nicht gerade auf die unauffälligste Weise: Er filmt ungefragt den Laden und schwärmt seinen Followern vor, wie heimelig es hier sei. Schließlich sei das sein absoluter Lieblingsbuchladen, in den er schon seit Jahren komme. Dumm nur, dass Romy und Fritz ihn noch nie gesehen haben. Romy wirft den selbsternannten Stammkunden kurzerhand hinaus, doch Max lässt sich nicht so leicht abschütteln. Er kommt mit einem verlockenden Angebot zurück: Er will den Buchladen auf Social Media bekannt machen, wenn Romy ihn drei Tage lang auf einer Promoreise begleitet und ihm dabei hilft, in den Buchhandlungen, die er besucht, eine gute Figur zu machen. Neben kostenloser Werbung winkt auch noch dringend benötigtes Geld. Doch kann Romy dafür über ihren Schatten springen, ihr Schneckenhaus – alias die Buchhandlung – verlassen und sich der Öffentlichkeit und dem echten Leben stellen?
„Du willst am liebsten verschwinden, sobald jemand hinschaut, und ich habe mein ganzes Leben darauf aufgebaut, dass alle hinschauen.“ (S. 97)
Romy ist Ende zwanzig und hat praktisch ihr gesamtes Erwachsenenleben in der Buchhandlung verbracht. Sie ist der einzige Ort, an dem sie sich sicher fühlt. Zwischen den Regalen kann sie mit den Büchern verschmelzen und sich hinter ihren Covern verstecken. Dabei ist sie richtig gut in ihrem Job und hat durchaus Ideen, wie sie den Laden voranbringen könnte. Was ihr fehlt, ist das Vertrauen in sich selbst.
Max ist das komplette Gegenteil. Sein Leben findet in der Öffentlichkeit statt. Er scheint rund um die Uhr online zu sein, damit seine „Marke“ stetig an Wert gewinnt. Wenn er nicht gerade live streamt, beantwortet er Kommentare oder plant bereits die nächsten Postings. Ein Leben ohne Kamera kann er sich kaum vorstellen. Schließlich hat er es nie anders gelernt.
„Jede Seite an Dir“ ist nicht perfekt – aber das sind wir Menschen schließlich auch nicht. Der Roman ist ehrlich, berührend und zeigt eindrücklich, was Mobbing mit einem Menschen macht und wie lange die Folgen nachwirken können. Es kann das eigene Selbstbild so nachhaltig prägen, dass man irgendwann weder dem Spiegel noch den Menschen glaubt, die einem wohlwollend begegnen.
Doch nicht nur Romy trägt ein unverarbeitetes Trauma mit sich herum. Auch in Max' Leben ist längst nicht alles so glänzend, wie es nach außen scheint. Seine Kindheit war zwar ganz anders als Romys, aber auf ihre Weise ebenfalls alles andere als gesund. Nur hat er das selbst lange nicht erkannt. Erst durch die Gespräche mit Romy beginnt er, hinter die eigene Fassade zu schauen.
Jana Crämer hat hier keine klassische Weihnachtswohlfühlgeschichte geschrieben, sondern einen Roman mit Tiefgang, der zum Nachdenken anregt. Ich konnte mich gut in Romy und Max hineinversetzen, mochte ihre Wortgefechte und Opa Fritz ist ohnehin der Knaller!
Mein einziger Kritikpunkt betrifft die Liebesgeschichte der beiden, die sich für mich nicht immer ganz nachvollziehbar entwickelt. Gerade bei der sonst so zurückhaltenden und introvertierten Romy ging mir das Ganze stellenweise etwas zu schnell und zu offensiv.
Trotzdem hat mich die Geschichte berührt. Denn hinter den Fassaden, die wir nach außen aufbauen, verbirgt sich oft viel mehr, als andere ahnen. Und manchmal braucht es jemanden, der genau hinschaut, damit wir selbst wieder erkennen, was in uns steckt.
Seit einem traumatischen Erlebnis in ihrer Schulzeit verkriecht sich Romy am liebsten in der Buchhandlung ihres Opas Fritz. Hier fühlt sie sich sicher, zwischen den Regalen und Buchseiten. Doch ausgerechnet jetzt droht ihr Zufluchtsort verloren zu gehen: Seit Monaten befindet sich direkt vor dem Laden eine Baustelle, die kaum noch Kunden vorbeikommen lässt. Die Miete können sie nicht mehr bezahlen, zum Jahresende wurde ihnen gekündigt. Dabei hatten Romy und ihr Opa so sehr auf das Weihnachtsgeschäft gehofft. Jetzt könnte nur noch ein Wunder helfen.
Und das betritt tatsächlich in Gestalt von Max die Buchhandlung. Allerdings nicht gerade auf die unauffälligste Weise: Er filmt ungefragt den Laden und schwärmt seinen Followern vor, wie heimelig es hier sei. Schließlich sei das sein absoluter Lieblingsbuchladen, in den er schon seit Jahren komme. Dumm nur, dass Romy und Fritz ihn noch nie gesehen haben. Romy wirft den selbsternannten Stammkunden kurzerhand hinaus, doch Max lässt sich nicht so leicht abschütteln. Er kommt mit einem verlockenden Angebot zurück: Er will den Buchladen auf Social Media bekannt machen, wenn Romy ihn drei Tage lang auf einer Promoreise begleitet und ihm dabei hilft, in den Buchhandlungen, die er besucht, eine gute Figur zu machen. Neben kostenloser Werbung winkt auch noch dringend benötigtes Geld. Doch kann Romy dafür über ihren Schatten springen, ihr Schneckenhaus – alias die Buchhandlung – verlassen und sich der Öffentlichkeit und dem echten Leben stellen?
„Du willst am liebsten verschwinden, sobald jemand hinschaut, und ich habe mein ganzes Leben darauf aufgebaut, dass alle hinschauen.“ (S. 97)
Romy ist Ende zwanzig und hat praktisch ihr gesamtes Erwachsenenleben in der Buchhandlung verbracht. Sie ist der einzige Ort, an dem sie sich sicher fühlt. Zwischen den Regalen kann sie mit den Büchern verschmelzen und sich hinter ihren Covern verstecken. Dabei ist sie richtig gut in ihrem Job und hat durchaus Ideen, wie sie den Laden voranbringen könnte. Was ihr fehlt, ist das Vertrauen in sich selbst.
Max ist das komplette Gegenteil. Sein Leben findet in der Öffentlichkeit statt. Er scheint rund um die Uhr online zu sein, damit seine „Marke“ stetig an Wert gewinnt. Wenn er nicht gerade live streamt, beantwortet er Kommentare oder plant bereits die nächsten Postings. Ein Leben ohne Kamera kann er sich kaum vorstellen. Schließlich hat er es nie anders gelernt.
„Jede Seite an Dir“ ist nicht perfekt – aber das sind wir Menschen schließlich auch nicht. Der Roman ist ehrlich, berührend und zeigt eindrücklich, was Mobbing mit einem Menschen macht und wie lange die Folgen nachwirken können. Es kann das eigene Selbstbild so nachhaltig prägen, dass man irgendwann weder dem Spiegel noch den Menschen glaubt, die einem wohlwollend begegnen.
Doch nicht nur Romy trägt ein unverarbeitetes Trauma mit sich herum. Auch in Max' Leben ist längst nicht alles so glänzend, wie es nach außen scheint. Seine Kindheit war zwar ganz anders als Romys, aber auf ihre Weise ebenfalls alles andere als gesund. Nur hat er das selbst lange nicht erkannt. Erst durch die Gespräche mit Romy beginnt er, hinter die eigene Fassade zu schauen.
Jana Crämer hat hier keine klassische Weihnachtswohlfühlgeschichte geschrieben, sondern einen Roman mit Tiefgang, der zum Nachdenken anregt. Ich konnte mich gut in Romy und Max hineinversetzen, mochte ihre Wortgefechte und Opa Fritz ist ohnehin der Knaller!
Mein einziger Kritikpunkt betrifft die Liebesgeschichte der beiden, die sich für mich nicht immer ganz nachvollziehbar entwickelt. Gerade bei der sonst so zurückhaltenden und introvertierten Romy ging mir das Ganze stellenweise etwas zu schnell und zu offensiv.
Trotzdem hat mich die Geschichte berührt. Denn hinter den Fassaden, die wir nach außen aufbauen, verbirgt sich oft viel mehr, als andere ahnen. Und manchmal braucht es jemanden, der genau hinschaut, damit wir selbst wieder erkennen, was in uns steckt.