Stimmungsvolle Grundidee mit erzählerischen Ungenauigkeiten
„Jede Seite an dir“ ist ein Roman, dessen Grundidee mich sofort berührt hat: eine kleine Buchhandlung als Zuhause von Romy und ihrem Opa, aber vor allem auch als Romys eigene kleine Welt. Ein Ort, an dem zwei Menschen aus sehr unterschiedlichen Lebenswelten aufeinanderprallen — und plötzlich stellt sich die Frage, wie man nach alten Verletzungen wieder Vertrauen fasst. Jana Crämer verbindet Themen wie Mobbing, Selbstzweifel und persönliche Entwicklung mit einer warmen, winterlichen Atmosphäre, die sich beim Lesen schnell entfaltet. Die Cozy‑Elemente, verstärkt durch die Vorweihnachtszeit, tragen viel zur Stimmung bei und schaffen einen Rahmen, der grundsätzlich großes Potenzial hat.
Romy als Figur hat mich von Anfang an abgeholt. Ihre Erfahrungen in der Schule und die daraus resultierenden Unsicherheiten sowie ihr Rückzug in die Welt der Bücher sind glaubwürdig dargestellt. Auch Max als Gegenpol funktioniert gut: sichtbar, laut, digital — und dennoch mit einer eigenen Verletzlichkeit. Die Dynamik zwischen beiden ist an vielen Stellen schön beobachtet und bietet einige emotionale Momente.
Gleichzeitig gab es Aspekte, die für mich nicht ganz aufgegangen sind. Die Entwicklung zwischen Romy und Max verläuft in einem Tempo, das ich schwer nachvollziehen konnte. Romy wird zu Beginn als sehr zurückhaltend und unerfahren beschrieben. Umso überraschender wirkte für mich, wie schnell sie sich innerhalb weniger Tage öffnet, vertraut und sich auf Max und eine gemeinsame Reise einlässt. Diese und die spätere Entwicklung auf der Reise hätten für mich mehr Zwischenschritte gebraucht — mehr innere Auseinandersetzung, mehr Zeit, um glaubwürdig zu wirken.
Auch Max bleibt an einigen Stellen etwas unausgewogen. Er wird als impulsiv und extrovertiert eingeführt, als jemand mit einer gewissen „Draufgänger“-Vergangenheit. Gerade deshalb hätte ich mir mehr Reflexion von ihm gewünscht — mehr innere Bewegung, mehr Auseinandersetzung mit Romys Tempo und Grenzen. Die emotionale Tiefe, die zwischen den beiden angelegt ist, kam für mich manchmal zu kurz.
Ein weiteres Muster, das für mich die Glaubwürdigkeit der Handlung strapaziert hat, sind die extrem schnellen Entwicklungen. Vieles passiert in einem Tempo, das für mich nicht realistisch wirkte — insbesondere in der Schlussszene. Insgesamt hat mich auch die Auflösung am Ende zwiespältig zurückgelassen. Ich mochte sehr, dass Romy den Mut findet, den Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufzunehmen; dieser Schritt passt zu ihrer inneren Entwicklung und wirkt authentisch. Gleichzeitig empfand ich Max’ große Offenbarung als zu gesetzt und zu schnell. Die gesamte Geschichte spielt innerhalb von nicht einmal einer Woche, und für mich war es schwer nachzuvollziehen, dass sich beide Figuren in dieser kurzen Zeit emotional so weit öffnen und gleichzeitig so weitreichende Entscheidungen treffen.
Gerade weil die Grundidee des Romans stark ist und die Themen viel Potenzial haben, hätte ich mir an diesen Stellen mehr Ruhe, mehr Entwicklung und mehr innere Logik gewünscht.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt „Jede Seite an dir“ ein Roman mit einer warmen Atmosphäre, wichtigen Themen und einer schönen Grundidee. Für Leserinnen, die Cozy‑Romane mit emotionalen Untertönen mögen, bietet das Buch viele Wohlfühlmomente — auch wenn nicht alle Entwicklungen die Tiefe erreichen, die die Geschichte hätte haben können
Romy als Figur hat mich von Anfang an abgeholt. Ihre Erfahrungen in der Schule und die daraus resultierenden Unsicherheiten sowie ihr Rückzug in die Welt der Bücher sind glaubwürdig dargestellt. Auch Max als Gegenpol funktioniert gut: sichtbar, laut, digital — und dennoch mit einer eigenen Verletzlichkeit. Die Dynamik zwischen beiden ist an vielen Stellen schön beobachtet und bietet einige emotionale Momente.
Gleichzeitig gab es Aspekte, die für mich nicht ganz aufgegangen sind. Die Entwicklung zwischen Romy und Max verläuft in einem Tempo, das ich schwer nachvollziehen konnte. Romy wird zu Beginn als sehr zurückhaltend und unerfahren beschrieben. Umso überraschender wirkte für mich, wie schnell sie sich innerhalb weniger Tage öffnet, vertraut und sich auf Max und eine gemeinsame Reise einlässt. Diese und die spätere Entwicklung auf der Reise hätten für mich mehr Zwischenschritte gebraucht — mehr innere Auseinandersetzung, mehr Zeit, um glaubwürdig zu wirken.
Auch Max bleibt an einigen Stellen etwas unausgewogen. Er wird als impulsiv und extrovertiert eingeführt, als jemand mit einer gewissen „Draufgänger“-Vergangenheit. Gerade deshalb hätte ich mir mehr Reflexion von ihm gewünscht — mehr innere Bewegung, mehr Auseinandersetzung mit Romys Tempo und Grenzen. Die emotionale Tiefe, die zwischen den beiden angelegt ist, kam für mich manchmal zu kurz.
Ein weiteres Muster, das für mich die Glaubwürdigkeit der Handlung strapaziert hat, sind die extrem schnellen Entwicklungen. Vieles passiert in einem Tempo, das für mich nicht realistisch wirkte — insbesondere in der Schlussszene. Insgesamt hat mich auch die Auflösung am Ende zwiespältig zurückgelassen. Ich mochte sehr, dass Romy den Mut findet, den Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufzunehmen; dieser Schritt passt zu ihrer inneren Entwicklung und wirkt authentisch. Gleichzeitig empfand ich Max’ große Offenbarung als zu gesetzt und zu schnell. Die gesamte Geschichte spielt innerhalb von nicht einmal einer Woche, und für mich war es schwer nachzuvollziehen, dass sich beide Figuren in dieser kurzen Zeit emotional so weit öffnen und gleichzeitig so weitreichende Entscheidungen treffen.
Gerade weil die Grundidee des Romans stark ist und die Themen viel Potenzial haben, hätte ich mir an diesen Stellen mehr Ruhe, mehr Entwicklung und mehr innere Logik gewünscht.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt „Jede Seite an dir“ ein Roman mit einer warmen Atmosphäre, wichtigen Themen und einer schönen Grundidee. Für Leserinnen, die Cozy‑Romane mit emotionalen Untertönen mögen, bietet das Buch viele Wohlfühlmomente — auch wenn nicht alle Entwicklungen die Tiefe erreichen, die die Geschichte hätte haben können