Kein Hokuspokus, keine Phasen-Tabelle: Ein herrlich geerdeter Blick auf den Schmerz
Wenn ich das Wort „Ratgeber“ schon höre, gehen bei mir normalerweise sofort alle Warnleuchten an. Man sieht ja förmlich vor sich, wie irgendein Schlaumeier einem mit bunten Schaubildern, esoterischem Räucherstäbchen-Geschwurbel oder starren Fünf-Phasen-Modellen erklären will, wie man gefälligst nach Plan zu funktionieren hat. Aber diese Leseprobe ist erfrischend anders und tut genau das nicht. Der Satz direkt zu Beginn – „Du bist nicht kaputt – du trauerst“ – trifft den Nagel so präzise auf den Kopf, dass man erst einmal tief durchatmen muss. Es nimmt einem sofort diesen elenden gesellschaftlichen Druck von den Schultern, immer tapfer sein und nach zwei Wochen wieder brav ins Hamsterrad einspuren zu müssen.
Richtig stark finde ich, wie unverblümt und körperlich das Ganze angepackt wird. Trauer wird hier nicht als rein geistiges Problem abgetan, das man mit ein bisschen „positivem Denken“ wegmeditieren kann, sondern als das beschrieben, was es verdammt noch mal ist: eine brutale Ganzkörperreaktion. Übelkeit, Schlaflosigkeit, dieses taube Gefühl im Brustkorb, die Wut auf lachende Menschen draußen auf der Straße – das sind Dinge, über die kaum jemand ehrlich spricht, weil man in unserer sauberen Welt ja nicht anecken darf. Auch dass die Autoren ganz trocken feststellen, dass der Großteil der Trauernden eben keine psychische Diagnose, keine App und keinen Therapeuten braucht, sondern schlichtweg Zeit, Raum und jemanden, der das Dunkle mit aushält, statt feige Reißaus zu nehmen – Chapeau, das nenne ich mal gesunden Menschenverstand.
Was mir ebenfalls imponiert, ist dieser ehrliche, fast schon trotzige Pragmatismus bei der Abschiedskultur. Die Geschichte von der Beerdigung im Schrebergarten unter dem Apfelbaum, weil der Mann sein Leben lang Tomaten gezüchtet und mit der Kirche nichts am Hut hatte – genau so muss das sein! Weg von diesem steifen, verlogenen Friedhofs-Theater, bei dem alle peinlich berührt in schwarzen Mänteln herumstehen und Phrasen dreschen. Wenn jemand geht, muss der Abschied zu diesem Menschen passen, nicht zu den Konventionen der Nachbarn.
Wo ich ein ganz klein wenig mit den Zähnen knirsche, sind diese typischen Ratgeber-Mitmachkästchen. „Schreib deinen Satz auf und lies ihn dir laut vor“ – bei solchen Schreibübungen fühle ich mich immer sofort an Schulunterricht oder Selbsthilfegruppen-Stuhlkreise erinnert, das ist mir persönlich einen Hauch zu gewollt didaktisch.
Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Wer einen ehrlichen, bodenständigen Begleiter sucht, der den Schmerz nicht kleinzureden versucht, sondern ihm seinen verdammten Raum lässt und die Dinge beim Namen nennt, wird aus diesem Text eine Menge echte Substanz ziehen können. Kein Kitsch, keine falschen Tröster-Floskeln – einfach nur erstaunlich aufrichtig und geerdet.
Richtig stark finde ich, wie unverblümt und körperlich das Ganze angepackt wird. Trauer wird hier nicht als rein geistiges Problem abgetan, das man mit ein bisschen „positivem Denken“ wegmeditieren kann, sondern als das beschrieben, was es verdammt noch mal ist: eine brutale Ganzkörperreaktion. Übelkeit, Schlaflosigkeit, dieses taube Gefühl im Brustkorb, die Wut auf lachende Menschen draußen auf der Straße – das sind Dinge, über die kaum jemand ehrlich spricht, weil man in unserer sauberen Welt ja nicht anecken darf. Auch dass die Autoren ganz trocken feststellen, dass der Großteil der Trauernden eben keine psychische Diagnose, keine App und keinen Therapeuten braucht, sondern schlichtweg Zeit, Raum und jemanden, der das Dunkle mit aushält, statt feige Reißaus zu nehmen – Chapeau, das nenne ich mal gesunden Menschenverstand.
Was mir ebenfalls imponiert, ist dieser ehrliche, fast schon trotzige Pragmatismus bei der Abschiedskultur. Die Geschichte von der Beerdigung im Schrebergarten unter dem Apfelbaum, weil der Mann sein Leben lang Tomaten gezüchtet und mit der Kirche nichts am Hut hatte – genau so muss das sein! Weg von diesem steifen, verlogenen Friedhofs-Theater, bei dem alle peinlich berührt in schwarzen Mänteln herumstehen und Phrasen dreschen. Wenn jemand geht, muss der Abschied zu diesem Menschen passen, nicht zu den Konventionen der Nachbarn.
Wo ich ein ganz klein wenig mit den Zähnen knirsche, sind diese typischen Ratgeber-Mitmachkästchen. „Schreib deinen Satz auf und lies ihn dir laut vor“ – bei solchen Schreibübungen fühle ich mich immer sofort an Schulunterricht oder Selbsthilfegruppen-Stuhlkreise erinnert, das ist mir persönlich einen Hauch zu gewollt didaktisch.
Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Wer einen ehrlichen, bodenständigen Begleiter sucht, der den Schmerz nicht kleinzureden versucht, sondern ihm seinen verdammten Raum lässt und die Dinge beim Namen nennt, wird aus diesem Text eine Menge echte Substanz ziehen können. Kein Kitsch, keine falschen Tröster-Floskeln – einfach nur erstaunlich aufrichtig und geerdet.