Eine ehrliche und wichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer

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jufra Avatar

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„Jeder Mensch kann trauern“ von Eric Wrede und Fee Vogel ist ein Buch, das ich vermutlich nicht einfach so nebenbei lesen konnte. Schon nach den ersten Seiten habe ich gemerkt, dass es einiges in mir auslöst und mich dazu bringt, mich mit meiner eigenen Trauer auseinanderzusetzen.

Was mir besonders gut gefällt, ist die grundsätzliche Haltung des Buches: Trauer ist individuell und folgt keinem festen Zeitplan. Es gibt kein Richtig oder Falsch und auch keinen Punkt, an dem man gefälligst damit abgeschlossen haben sollte. Gerade dieser Gedanke zieht sich durch das Buch und nimmt einem ein Stück weit den Druck, den man sich manchmal selbst macht.

Denn Trauer besteht nicht nur aus offensichtlicher Traurigkeit. Auch Schuldgefühle, Scham und Unsicherheiten können dazugehören. Darf es mir schon wieder gut gehen? Vermisse ich den Menschen genug? Hätte ich etwas anders machen können? Habe ich alles gesagt, was ich hätte sagen wollen? Gerade diese weniger offensichtlichen Gedanken und Gefühle haben mich beim Lesen sehr beschäftigt. Ich glaube, viele Menschen erkennen sich darin wieder, auch wenn sie vielleicht nicht gerne darüber sprechen.

Besonders interessant fand ich auch den Blick auf die körperlichen Auswirkungen von Trauer. Dass sich ein Verlust nicht nur emotional bemerkbar macht, sondern beispielsweise auch das Schlafbedürfnis und andere körperliche Reaktionen beeinflussen kann, wird hier ebenfalls thematisiert. Das fand ich sehr wertvoll, weil solche Erfahrungen im Alltag nicht unbedingt mit Trauer in Verbindung gebracht werden.

Das Buch betrachtet außerdem nicht nur die trauernde Person selbst, sondern beschäftigt sich auch mit dem sozialen Umfeld, dem Arbeitsplatz, Kindern und der Frage, wie wir als Gesellschaft eigentlich mit Trauer umgehen. Gerade das finde ich wichtig, denn obwohl Verlust etwas ist, das uns alle irgendwann betrifft, fällt es vielen Menschen schwer, darüber zu sprechen oder damit umzugehen.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Reflexionsaufgaben und die Möglichkeit, eigene Gedanken festzuhalten. Dadurch liest man nicht einfach nur Informationen, sondern wird immer wieder dazu eingeladen, innezuhalten und sich selbst ein bisschen besser zu verstehen.

Ich musste das Buch tatsächlich stückweise lesen, weil es einiges in mir hochgeholt hat. Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, mit denen ich mich teilweise schon länger nicht mehr so intensiv beschäftigt hatte. Gleichzeitig war genau das auch etwas Gutes. Es hat mir Raum gegeben, meine eigene Trauer noch einmal anzuschauen und festzustellen, dass sich manches verändert hat, während anderes vielleicht immer noch da ist.

Für mich ist „Jeder Mensch kann trauern“ kein Buch, das einem erklärt, wie man einen Verlust möglichst schnell hinter sich bringt. Vielmehr vermittelt es, dass man lernen darf, mit dem Verlust zu leben, ohne die eigene Trauer ständig hinterfragen oder rechtfertigen zu müssen.

Ich würde das Buch sowohl Menschen empfehlen, die selbst einen Verlust erlebt haben, als auch Menschen, die Trauernde besser verstehen möchten. Denn manchmal hilft es schon, zu wissen, dass man mit den eigenen Gedanken und Gefühlen nicht allein ist.