Aus der Zeit gefallen

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senfblüte Avatar

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Das Leben auf einer schottischen Insel, geprägt von einer immer kleiner werdenden Gemeinschaft, streng religiösen Regeln und Armut sind der Rohstoff dieses Romans.
John, der strenge Vater, lebt mit seiner Schwiegermutter zusammen - sie halten Schafe und er webt und trotzdem reicht das Geld kaum, für das Mindeste. Die zentrale Rolle der Kirche führt dazu, dass sich alle Nachbarn belauern und die wenigen jungen Menschen, die noch auf der Insel leben, stehen unter der permanenten Verdächtigung der Sünde und dazu zählt schon, wenn man am Sabbat zu seinem Strickzeug greift.
Dem Autor gelingt es meisterhaft dieses Bild der sehr eingeengten Gesellschaft zu zeichnen, die mit ihren religiösen Regeln und ihrer technischen Ausstattung völlig aus der Zeit zu fallen scheint. Man versteht, dass die Personen an ihrer Heimat hängen, die allerdings auch nur aus Pachtland besteht. Während sich viele nach Freiheit sehnen und ihren Nachbarn nicht ihre Meinung ins Gesicht sagen, weil man ja noch weiterhin gemeinsam auf dieser Insel lebt, spielen sich viele kleine und größere Dramen ab. Der junge Fischer, der sich nach weiblicher Gesellschaft sehnt, zu viel trinkt und hofft, dass sein Auto endlich fahren wird. Die kluge, junge Frau, die sich nach einem freien, selbstbestimmten Leben sehnt und dabei nicht wie ein Möbelstück an den einzigen verfügbaren und nicht nicht zu nah verwandten Mann verschachert werden will.... All diese Figuren werden meisterlich gezeichnet und dabei sind wir hier nur bei Randfiguren. Die Hauptperson - Cal, der sein Studium mit Auszeichnung absolviert hat, aber danach keinen Job gefunden hat und jetzt zurück kommt und den die strengen Regeln und der Konflikt zwischen seinen Eltern und seinem Vater und der Großmutter bedrückt, der zwischen der Verbundenheit mit der Heimat und der Sehnsucht nach Freiheit schwankt, lässt den Leser durch die Seiten fliegen und immer mehr Schichten der eingeschworenen Gemeinschaft freilegen.
Das Buch nimmt den Leser mit und fasziniert mit einem Blick in eine fremde Welt, die so traditionell ist, dass man kaum glauben kann, dass zeitgleich irgendwo ein Internetcafé eröffnet.