Bewegend

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jens1991 Avatar

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Cal ist zurück auf Harris. Nach seinem Studium in Edinburgh kehrt er widerwillig auf die abgelegene Hebrideninsel zurück, wo ihn all das erwartet, wovor er geflohen war: die harte Arbeit mit den Schafen, das Weben von Harris Tweed und die Enge einer streng religiösen Gemeinschaft. Sein Vater John, ein angesehener Weber und tief verwurzelt im presbyterianischen Glauben, hat ihn zurückgerufen. Zwischen Vater und Sohn besteht eine tiefe Verbundenheit, doch zugleich trennt sie vieles. Während Cal seine Homosexualität vor seinem Vater verbirgt, ahnt er nicht, dass auch John ein Geheimnis mit sich trägt, das ihr beider Leben seit Jahren bestimmt. Als Cal zunehmend die Nähe von Innes sucht, dem langjährigen Freund seines Vaters, geraten festgefügte Gewissheiten ins Wanken und lang verdrängte Wahrheiten drängen ans Licht.

Mit „Young Mungo“-Autor Douglas Stuart legt einen ebenso atmosphärischen wie eindringlichen Roman über Liebe, Scham, familiäre Verpflichtungen und die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Erwartungen vor. Vor der rauen und zugleich faszinierenden Kulisse der Hebriden erzählt er von Menschen, die zwischen persönlicher Sehnsucht, religiösem Dogma und den Zwängen einer eng verbundenen Gemeinschaft gefangen sind. Besonders gelungen ist dabei die Figurenzeichnung: Stuart verleiht seinen Charakteren eine große emotionale Tiefe und zeigt ihre Konflikte mit viel Einfühlungsvermögen, ohne sie jemals auf einfache Rollen von Schuld oder Unschuld zu reduzieren. Darüber hinaus schaffen die atmosphärischen Beschreibungen der Inselwelt und die Einblicke in die traditionelle Herstellung des Harris Tweed eine besondere Nähe zu Ort und Handlung. Die ruhige Erzählweise entwickelt dabei eine bemerkenswerte Sogwirkung und macht den Roman zu einer ebenso berührenden wie nachdenklichen Lektüre, die lange nachhallt.