Bewegend, rau und intensiv

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buecherdanny Avatar

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Douglas Stuarts Roman „John of John“ entfaltet sich vor der rauen, kargen Kulisse einer Insel der schottischen Hebriden, deren Enge nicht nur geografisch, sondern auch gesellschaftlich spürbar ist. Die Gemeinschaft wirkt abgeschottet und von starren, beinahe aus der Zeit gefallenen religiösen Regeln geprägt, die das Leben der Menschen bestimmen und individuelle Freiheit kaum zulassen.

Im Zentrum steht Cal, eine Figur, die eindringlich und vielschichtig gezeichnet ist. Nach seinem Studium der Textilkunst kehrt er mit gefärbten Haaren und einem Berg von Schulden auf die Insel Harris zurück. Seine Großmutter mütterlicherseits ist krank und sein Vater John verlangt, dass Cal sich um sie kümmert da seine Mutter vor vielen Jahren ausgezogen ist.

John ist nebenberuflich als Diakon und Vorsänger der fanatischen presbyterianischen Kirchengemeinde tätig und es kommt zu Konflikten zwischen Vater und Sohn da sich Cal nicht so verhält wie sein Vater es von ihm erwartet. Ihre Beziehung ist von Härte geprägt. Einerseits lieben sie sich, sie können aber kaum miteinander reden. In Stresssituationen rutscht dem Vater auch schon einmal die Hand aus.
Cal ist homosexuell, traut sich aber nicht sich zu outen. Im Laufe der Zeit erfährt er, dass das Leben seines Vaters auf einer Lüge aufgebaut ist. Auch er ist homosexuell und versteckt sich hinter einer Fassade die er schwer aufrecht erhalten kann, da er seine Gefühle hin und wieder ausleben möchte.

Cals innerer Konflikt – die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat auf der einen Seite und die wachsende Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben auf der anderen – bildet das emotionale Herz des Romans. Stuart gelingt es, diesen Zwiespalt mit großer Sensibilität darzustellen, sodass Cals Zerrissenheit jederzeit nachvollziehbar bleibt.
Überhaupt zeichnet sich der Roman durch seine authentischen Figuren aus. Sie wirken nie konstruiert, sondern wie echte Menschen, gefangen in einem System aus Tradition, Glaube, Armut und sozialem Druck. Die Sprache ist dabei oft nüchtern und präzise, was die Härte der Lebensumstände zusätzlich unterstreicht.
„John of John“ ist kein lauter Roman, sondern ein stilles, eindringliches Werk über Zugehörigkeit, Identität und den Mut zur Veränderung das mir sehr gut gefallen hat. Die beklemmende Atmosphäre der Insel und die allgegenwärtigen religiösen Zwänge hallen lange nach und machen das Buch zu einer intensiven Leseerfahrung.