Ein Inselbuch

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marie-christine Avatar

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Nachdem ich Shuggie Bain relativ früh abgebrochen habe, war ich von John of John von Douglas Stuart ehrlich gesagt positiv überrascht. Vielleicht lag es auch daran, dass mich das Setting sofort mehr angesprochen hat: Diese abgelegene Inselwelt, geprägt von rauer Natur, Wind, Weite und einer fast greifbaren Einsamkeit, ist wirklich atmosphärisch dicht eingefangen. Gerade die Naturbeschreibungen haben für mich viel getragen – sie verleihen dem Roman eine ruhige, melancholische Grundstimmung, die sich konsequent durchzieht.

Was Stuart besonders gut kann, zeigt sich auch hier: das langsame, beinahe vorsichtige Ausloten von Innenwelten. Themen wie familiäre Erwartungen, emotionale Isolation und unterschwellige Spannungen entfalten sich eher leise als dramatisch. Diese zurückhaltende, reflektierende Erzählweise kommt meinem Lesegeschmack grundsätzlich sehr entgegen – vor allem, wenn es um Geschichten geht, die mehr über Stimmungen und unausgesprochene Gefühle funktionieren als über Handlung.

Gleichzeitig hatte das Buch für mich aber auch spürbare Schwächen. Es gibt einige Passagen, die sich in ihrer Detailverliebtheit etwas verlieren und erzählerisch auf der Stelle treten. Dadurch wirkte das Tempo stellenweise zäh, und obwohl die Atmosphäre stark ist, fehlte mir manchmal die emotionale Zuspitzung, die mich wirklich hätte mitreißen können. Ich habe die Figuren verstanden, aber nicht ganz so intensiv mit ihnen mitgefühlt, wie ich es mir bei diesem Stoff gewünscht hätte.

Vielleicht liegt genau darin auch mein gemischter Eindruck: John of John trifft vieles von dem, was ich an ruhiger, „literarischer“ Prosa schätze – die Schwere, das Nachdenkliche, das Unausgesprochene. Aber es bleibt dabei ein wenig zu gleichförmig und hält mich auf Distanz, statt mich wirklich hineinzuziehen.

Insgesamt ein atmosphärisch sehr gelungenes, stilles Buch mit starken Naturbildern und einer konstant melancholischen Stimmung, das für mich jedoch erzählerisch nicht durchgehend tragen konnte.