Ein stiller Roman

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kaylaliest Avatar

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Ein junger Mann kehrt zurück auf eine abgelegene Insel der schottischen Hebriden.
Dorthin, wo er aufgewachsen ist. Zu einem Vater, der ihn liebt und gleichzeitig nicht versteht.

Cal hat in Edinburgh versucht, ein anderes Leben zu beginnen. Doch auf der Insel wartet genau das auf ihn, wovor er geflohen ist: Enge, religiöse Strenge und eine Gemeinschaft, die wenig Platz für Abweichung lässt. Seine Homosexualität bleibt unausgesprochen, genauso wie viele andere Wahrheiten in seiner Familie.

Was wie ein klassisches „Heimkehr-Drama“ beginnt, entwickelt sich zu einer stillen, dichten Geschichte über Schuld, Scham und Zugehörigkeit. Es passiert wenig im klassischen Sinne, dafür umso mehr zwischen den Figuren. Viel wird nicht gesagt, aber ist spürbar.

Stuart schreibt bildhaft und atmosphärisch, manchmal fast zu sehr. Die Sprache ist stark, aber stellenweise auch überladen und verliert sich in Metaphern.

Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Zwei Menschen, die sich nah sind und doch aneinander vorbeileben.

Irritierend und für mich nicht ganz sauber ausgearbeitet ist eine Vergangenheitsebene rund um einen jüngeren Jugendfreund von Cal. Es wirkt beim Lesen so, als hätte es damals eine grenzüberschreitende, möglicherweise missbräuchliche Situation gegeben. Gleichzeitig bleibt völlig unklar, was genau passiert ist.

Was mich zusätzlich etwas ausgebremst hat: die Länge. Mit über 500 Seiten zieht sich die Geschichte stellenweise, und nicht jede Szene trägt wirklich etwas Neues bei. Auch einige Themen bleiben eher angerissen als wirklich durchdrungen.

Fazit:
Ein intensiver, ruhiger Roman über Identität, Familie und das Gewicht unausgesprochener Wahrheiten. Atmosphärisch stark, aber nicht durchgehend überzeugend.