eine unbequeme und intensive Leseerfahrung

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Puh, von der Geschichte muss ich mich erstmal erholen. "John of John" war mein erster Roman von Douglas Stuart und selten hat ein Buch bei mir so heftige Emotionen ausgelöst.
Nach Jahren des Studiums kehrt der junge Cal vom Festland auf die raue Insel Harris zurück. Dort lebt sein Vater John ein bescheidenes Leben als Schafzüchter und Tweed-Weber. Cal zieht wieder beim Vater und der Großmutter ein, doch sein Leben ist nun nicht mehr so frei wie zuvor. Dass er Männer liebt, weiß in der Familie niemand und darf es auch nicht, denn der Vater und das gesamte Umfeld sind sehr religiös und die Strenge des alten John ist unerbittlich. Doch auch der Vater trägt ein wohlgehütetes Geheimnis mit sich und auch er unterliegt Zwängen und führt ein Leben, mit dem er nicht glücklich werden kann.
Douglas Stuart erzählt diese große Geschichte über Liebe, Scham und Entsagung in einem Ton, der zutiefst berührend ist. Die Emotionen, die dadurch bei mir ausgelöst wurden sind unbequem und von Wut und Ohnmacht geprägt. Es tut weh zu lesen, um welche Möglichkeiten sich Cal und vor allem John bringen oder gebracht werden, wie sie ihre Sehnsüchte nicht ausleben können und wie die Dinge, die in ihrer Welt nicht sein dürfen zu einer Sprachlosigkeit führen, die schwer zu ertragen ist. Wer auf fröhliche Stimmung und Romantik hofft, wird hier enttäuscht sein. So rau und trist wie das Inselwetter, ist auch die derbe Stimmung unter den Menschen, die hier miteinander leben. Und doch gibt es auch versöhnliche, verzeihende und sehr liebevolle Momente. Diese sind es, die mich das Buch mit einer gewissen Hoffnung, dass Dinge doch noch gut werden können, zuschlagen ließen.
Ein schwieriger, durchaus unbequemer aber großartig geschriebener und sehr intensiver Roman. Große Leseempfehlung!