Mein erster Roman von Douglas Stuart, und definitiv nicht mein letzter!

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lisamarie Avatar

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Schon lange habe ich nur Gutes über Douglas Stuarts Romane gehört, entsprechend hoch waren meine Erwartungen an John of John. Umso schöner, dass sie nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen wurden.

In John of John begleiten wir Cal, der seine ländliche Heimat verlässt, um in Edinburgh Kunst zu studieren. Als sein Vater John ihn unter einem Vorwand zurück auf die schottische Insel Harris holt, wird Cal nicht nur mit seiner Familie, sondern auch mit seiner Vergangenheit und der Frage konfrontiert, was Heimat eigentlich bedeutet.

Was mich besonders begeistert hat, war Stuarts Sprache. Sie ist klar und zugänglich, ohne jemals an Tiefe zu verlieren. Mit wenigen, präzisen Bildern schafft er eine dichte Atmosphäre, sodass man die raue Landschaft, die Kälte und die Schwere des Insellebens beinahe selbst spüren kann. Gleichzeitig entwickelt die Geschichte einen Sog, der mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat.

Besonders beeindruckt hat mich auch, wie leicht Stuart zentrale gesellschaftliche Themen in die Handlung einwebt. Der Roman erzählt vom Spannungsfeld zwischen ländlicher Herkunft und urbanem Leben, von der Rückkehr an einen Ort, den man längst hinter sich gelassen glaubte, und von der Frage, wie sehr man sich verändert – und wie einen die Menschen, die geblieben sind, noch immer wahrnehmen. Besonders eindrücklich beschreibt Stuart, wie Cal und sein Vater ihre Homosexualität in einer von Tradition und Kirche geprägten Gemeinschaft verstecken müssen. Daneben zeigt er Armut als prägende Lebensrealität auf der Insel. Im Kern ist John of John für mich jedoch eine Geschichte über Familie, Zugehörigkeit und die widersprüchlichen Gefühle, die mit dem Begriff Heimat verbunden sind.

Douglas Stuart zeichnet Figuren von beeindruckender Glaubwürdigkeit – mit all ihren Fehlern, Sehnsüchten und ihrer Verletzlichkeit. Ich habe bis zum Schluss mit ihnen mitgefühlt und mitgehofft.

Ein atmosphärisch dichter und bewegender Roman, der noch lange nachwirkt. Ich freue mich jetzt umso mehr darauf, auch Douglas Stuarts andere Werke zu lesen!