Sehr atmosphärisch mit einigen Längen

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rosetheline Avatar

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Mit seinem dritten Roman "John of John" bringt uns Douglas Stuart auf die Äußeren Hebriden, eine Inselkette nordwestlich der schottischen Küste.
Dabei begleiten wir Cal, einen homosexuellen jungen Mann, der nach seinem Studium in Edinburgh notgedrungen auf Bitte seines Vaters John zurück auf die Hebriden (Harris) kehrt, weil es seiner Großmutter Ella nicht gut geht. Doch zurück fängt ihn all das ein wovor er "geflohen" ist.

Stuarts Sprache ist sehr atmosphärisch und so hatte ich als Lesende das Gefühl selbst dort zu sein. Vor allem das kalte, raue Klima haben die gewisse Tristheit und Schwere der Erzählung gut unterstrichen. Auch die weite und schwere Anreise hat mir das Gefühl gegeben, dass Cal nicht nur körperlich weit reisen musste, sondern Edinburgh (Freiheit, Akzeptanz) und Harris (Tradition, Konservatismus, Verschlossenheit) auch mental weit voneinander entfernt liegen und es Cal schwer machen der zu sein. Denn selbst sein Vater kann den neuen Cal mit den langen, gefärbten Haaren nicht akzeptieren. Oder kann er vielleicht nicht akzeptieren, dass sein eigener Sohn sich von den Traditionen und Blicken der anderen freimachen konnte und er selbst nicht? Es gibt viele Geheimnisse in dem Buch, die nach und nach gelüftet werden (wenn auch manche nicht im Detail besprochen werden) und einen die Geschichte nochmal besser verstehen lassen.
Dennoch hätte ich gerne mehr über einige Charaktere und ihre Gedanken erfahren und gewisse andere Längen im Buch dafür eingetauscht, denn die Geschichte ist eher langsam und lebt vor allem von seiner Atmosphäre.

Alles in Allem ist es aber ein solides Buch und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Stuart lesen, die zum Teil ähnliche (wichtige) Themen wie komplexe Familiendynamiken, Identität, Armut und Homosexualität behandeln.