Starke Figuren – überladener Plot
Das Buch lässt mich ein wenig zweigespalten zurück. Auf der einen Seite ist es ein wahrer Pageturner: tolle, ausgearbeitete Charaktere, ein starkes Setting auf den Hebriden, viele spannende Handlungsstränge und eine eindrückliche Darstellung des Lebens in einer streng gläubigen Gemeinde.
Auf der anderen Seite wirkt der Plot am Ende für mich etwas zu konstruiert. Das begann mich zu stören, als der Autor John dem Leser gegenüber als schwul outet. Das trägt zwar viel zu seiner Zerrissenheit bei – seinem Konflikt zwischen Glauben und Innes, seiner Mischung aus Verschlossenheit und Aufbrausen –, aber insgesamt ist es mir ein wenig zu viel.
Hinzu kommt: Cal verliebt sich ausgerechnet in den heimlichen Geliebten seines Vaters; seine Mutter hat ein stilles Agreement mit John, schweigt zu dessen Homosexualität, verlässt ihn – und gilt seitdem auf der Insel als die Schuldige. Das ist alles arg überfrachtet. Gleichzeitig verlaufen andere Plotlinien ins Leere: Cals Kontakte auf dem Festland, sein Inserat.
Sprachlich ist das Buch sehr gut geschrieben. Stuart versteht es weiterhin, starke Charaktere aufzubauen und sie nachvollziehbar und authentisch agieren zu lassen. Cal zum Beispiel: Er will nicht zurück nach Hause, schon gar nicht will er zurückwollen. Gleichzeitig ist ihm gar nicht bewusst, wie sehr er ein Insulaner durch und durch ist. Er kann nicht aus seiner Haut und ist viel mehr seines Vaters Sohn, als er weiß oder wahrhaben möchte.
Auch die Hass-Liebe zu seinem Vater John ist großartig dargestellt. Ein Satz auf Seite 100 bringt es für mich auf den Punkt:
„Ihm wurde klar, dass Sammy das komplette Gegenteil seines Vaters war und er ihn deshalb niemals lieben können würde.“
Was für ein Satz.
Bei Ella habe ich mich mehrfach gefragt, ob nicht sie die eigentliche Hauptfigur ist – nicht Cal oder John. Sie weiß alles, versucht Einfluss zu nehmen, bleibt, um Cal großzuziehen. Ein toller Charakter. Ich glaube fast, der Autor hat in ihr seinen Lieblingscharakter geschaffen.
Eine der berührendsten Szenen ist für mich, als sich John und Cal gegenseitig die Hände pflegen. Das ist stark geschrieben.
Tragisch sind die Beziehung im Teenageralter zu Doll, sein zunehmendes Alkoholproblem und schließlich sein Tod. Auch Dolls Lebensstationen tragen dazu bei, dass es mir insgesamt etwas too much erscheint – gerade für einen kleinen Ort auf einer abgelegenen Hebrideninsel.
Ich denke, Stuart hat viel Autobiografisches in das Buch gepackt: seine Erfahrungen auf den Hebriden, seine eigene Homosexualität, sein Faible für die Modebranche. Dazu kommen hervorragende Natur- und Wetterbeschreibungen, die das Setting lebendig machen.
Ein spannendes, sehr gut geschriebenes Buch mit starken, authentischen Charakteren. Der Plot ist jedoch etwas überladen, was dem Gesamtwerk nicht guttut. Im Vergleich zu Stuarts beiden vorangegangenen Büchern insgesamt schwächer – aber immer noch auf hohem Niveau.
Auf der anderen Seite wirkt der Plot am Ende für mich etwas zu konstruiert. Das begann mich zu stören, als der Autor John dem Leser gegenüber als schwul outet. Das trägt zwar viel zu seiner Zerrissenheit bei – seinem Konflikt zwischen Glauben und Innes, seiner Mischung aus Verschlossenheit und Aufbrausen –, aber insgesamt ist es mir ein wenig zu viel.
Hinzu kommt: Cal verliebt sich ausgerechnet in den heimlichen Geliebten seines Vaters; seine Mutter hat ein stilles Agreement mit John, schweigt zu dessen Homosexualität, verlässt ihn – und gilt seitdem auf der Insel als die Schuldige. Das ist alles arg überfrachtet. Gleichzeitig verlaufen andere Plotlinien ins Leere: Cals Kontakte auf dem Festland, sein Inserat.
Sprachlich ist das Buch sehr gut geschrieben. Stuart versteht es weiterhin, starke Charaktere aufzubauen und sie nachvollziehbar und authentisch agieren zu lassen. Cal zum Beispiel: Er will nicht zurück nach Hause, schon gar nicht will er zurückwollen. Gleichzeitig ist ihm gar nicht bewusst, wie sehr er ein Insulaner durch und durch ist. Er kann nicht aus seiner Haut und ist viel mehr seines Vaters Sohn, als er weiß oder wahrhaben möchte.
Auch die Hass-Liebe zu seinem Vater John ist großartig dargestellt. Ein Satz auf Seite 100 bringt es für mich auf den Punkt:
„Ihm wurde klar, dass Sammy das komplette Gegenteil seines Vaters war und er ihn deshalb niemals lieben können würde.“
Was für ein Satz.
Bei Ella habe ich mich mehrfach gefragt, ob nicht sie die eigentliche Hauptfigur ist – nicht Cal oder John. Sie weiß alles, versucht Einfluss zu nehmen, bleibt, um Cal großzuziehen. Ein toller Charakter. Ich glaube fast, der Autor hat in ihr seinen Lieblingscharakter geschaffen.
Eine der berührendsten Szenen ist für mich, als sich John und Cal gegenseitig die Hände pflegen. Das ist stark geschrieben.
Tragisch sind die Beziehung im Teenageralter zu Doll, sein zunehmendes Alkoholproblem und schließlich sein Tod. Auch Dolls Lebensstationen tragen dazu bei, dass es mir insgesamt etwas too much erscheint – gerade für einen kleinen Ort auf einer abgelegenen Hebrideninsel.
Ich denke, Stuart hat viel Autobiografisches in das Buch gepackt: seine Erfahrungen auf den Hebriden, seine eigene Homosexualität, sein Faible für die Modebranche. Dazu kommen hervorragende Natur- und Wetterbeschreibungen, die das Setting lebendig machen.
Ein spannendes, sehr gut geschriebenes Buch mit starken, authentischen Charakteren. Der Plot ist jedoch etwas überladen, was dem Gesamtwerk nicht guttut. Im Vergleich zu Stuarts beiden vorangegangenen Büchern insgesamt schwächer – aber immer noch auf hohem Niveau.