Tolles Buch, viel zu ausführlich

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peppermintpatty Avatar

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„John of John“ ist ohne Zweifel ein richtig gutes Buch zu einem wichtigen Thema, in toller Sprache verfasst, leider hat es mir überhaupt nicht gefallen.

Cal wird von seinem Vater nach Falabay zurück geordert, einer Insel im hintersten Irland, wo die Uhren anders ticken. Dort ist man nicht nur streng gläubig sondern presbyterianisch, züchtet Schafe, webt Tweed noch mit der Hand nach uralten Mustern und verachtet Katholiken für ihre losen Sitten.

In dieser Gesellschaft ist kein Platz für Homosexuelle. Cal hatte versucht, in Edinburgh neu anzufangen, aber sein Kunststudium ist dafür eine schwierige Basis. Frustriert und abgebrannt fährt er zurück nach Hause und ringt mit sich selbst. Soll er sich einfach fügen, sich an das streng reglementierte Leben anpassen wie früher? Soll er sich outen und die Wut seines Vater ertragen?

Das Buch ist wunderbar geschrieben, plastisch, eindringlich, oft brutal aber mit sehr feinem, bitterem Humor. Es breitet Cals Verzweiflung aus, lässt einen teilhaben an seinem inneren Ringen. Aber auch Cals Vater leidet, weil es sich schwer lebt mit solch strengen Regeln, genau wie Innes, der Nachbar und Freund der Familie.

Man bekommt hier blanke Tristesse und ganz viel Leid, die über 560 Seiten lang höchst eindringlich ausgebreitet werden. Es passiert nicht sehr viel, aber das Leid ist groß und das ist einfach schwer erträglich. Douglas Stuart schreibt toll aber auch unglaublich ausführlich. Auf die Hälfte gekürzt wäre das ein grandioses Buch zu einem tragischen Vater-Sohn-Konflikt. In dieser Form hat es deutliche Längen und das ist wirklich schade.