Vater-Sohn-Konflikt in rauer , schottischer Umgebung

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neheni Avatar

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“John of John” katapultiert die Lesenden auf raues schottisches Inselleben und begleitet die John -Calum Macleod (kurz: Cal).
Cal kehrt zurück nach Harris, das er für sein Kunststudium verlassen hatte. Hier erwarten ihn die gewohnten strengen Regeln und Traditionen und vorallem die Erwartungen seines Vaters, die unerfüllbarer nicht sein könnten. Vom Studium zurück in den harten Weberalltag der Arbeiterklasse.


Stuart beschreibt auf besondere Art und Weise die Landschaft in Harris und lässt diese mit den vielen Konflikten der Protagonisten und Nebenfiguren verschwimmen und verschmelzen. Alles in den Herbriden scheint geprägt von unausgesprochenen Regeln und wie eine eigene Welt zu sein. Tief religiös – einer Sekte gleichend (immerhin spricht Cal auch von den „Sektenkindern“, als es um den Brauch der Sabbatkette geht). Und die Erwartungen an Herkunft und tiefes männliches Verhalten, aber auch die allumwobene Schuld und der allgegenwärtige Glaube bestimmen den Alltag.
Die Dialoge sind interessant ausgeschrieben und werden z.T. in zwei Sprachen dargestellt, ohne, dass sich die Lesenden eine Fremdsprache aneigenen müssen. Dennoch wird klar, wer mit wem wie kommuniziert.
Douglas schmückt alle Erzählungen- und seien die Erledigungen noch so alltäglich, episch und poetisch aus. Der Autor entschleunigt das Lesen. Er schafft es, die Schwere und Unterdrückung, die Enge und das Unwohlsein der Situationen so zu Papier zu bringen, dass man als Lesende nicht daran vorbei kommt. Hier ist Geduld gefragt. Nichts passiert hier in Hektik- ebenso wie das Inselleben nicht in Hektik geschieht. Ähnlich wie das „In der Zeit stehengebliebene“ Leben der Insulaner, arbeitet Douglas Stimmungen zum Innehalten ein.
Für mich tatsächlich fast schon ein bisschen zu langwierig. Ich hatte wirklich an einigen Stelle Mühe, wieder reinzufinden – hier hätte ich mich durchaus noch etwas Zeit nehmen dürfen und müssen, um den Roman etwas besser verstehen zu können.
Dennoch hat die Sprache eine schöne Bildhaftigkeit und es gelingt ihm, ein Bild der Szenerie im Kopf der Lesenden herzustellen, denn man fühlt sich gleich mitgenommen auf die windige, trostlose Insel.

Die queere Identität des Protagonisten wird zugleich am Beginn des Romans präsentiert. Trotz des jungen Alters von Cal Macleod, wirkt der Roman sehr überlegt und erwachsen. Auf nahezu jeder Seite spürt man die Unterdrückung und die Sorgen, die Cal mit sich trägt – immer im Verborgenen zu agieren und sich zurücknehmen zu müssen. Mit dem Wissen, dass sein Vater seinen queeren Alltag niemals tolerieren würde.

Insgesamt finde ich, dass dieser schwierige Vater-Sohn-Konflikt in „John of John“ – meines Erachtens- auch mit locker 200 Seiten weniger ausgekommen wäre und damit für mich ein grandioses Buch geboten worden wäre. Dieser Roman eignet sich hervorragend für Menschen, die viel Zeit und Ruhe für das Lesen verwenden könnne und / oder absolute Doouglas Stuart Liebhaber:innen.
Für meinen Lesealltag – nebenbei lesend und mit Unterbrechungen – war dieser Roman nur wenig geeignet. Schade. Ich hatte mich anhand der Klappentexte und Leseproben tatsächlich sehr darauf gefreut.