Was alles aus Liebe geschieht ...
WAS ALLES AUS LIEBE GESCHIEHT ...
Kurzmeinung: Ein Roman über Protestantismus und Homosexualität, über Inselschönheit, Heimatliebe und prekäre wirtschaftliche Existenz. Ein Lesehighlight!
Der junge Cal studierte auf dem Festland Industriedesign. Edinburgh, das Festland, das ist für den Inseljungen, der aus dem kargen Harris stammt, etwas Neues, Aufregendes, Besonderes. Das Studium bewältigt er mit links, mit seinem Privatleben sieht es anders aus und vor allem findet er nach dem Studium keinen adäquaten Job. Und da er nicht zurück in die beschränkte Inselwelt will, häuft er einen kleinen Berg Schulden an.
Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Die Hebrideninsel Harris ist bekannt für seine exzellenten Weber, den berühmten Harris-Tweed, also die Wollwirtschaft und für seine wilde Schönheit. Die Bevölkerung lebt zudem von der Schafzucht und der Fischerei. Es reicht gerade mal so zum Leben. Die Insel ist karg, der Boden ausgelaugt, die Fischerei leidet wie überall an Fangquoten und Überfischung.
Die Protagonisten leben einen klassischen Generationenkonflikt. Cal, der Sohn, studiert erfolgreich, aber wirtschaftlich erfolglos ist er nach wie vor abhängig vom Vater, also von John, dem Weber, der seine Kunstfertigkeit an den Sohn weitergegeben hat.
Cal wird vom Vater mit einem Trick zurück nach Hause beordert und muss nun klarkommen, mit sich selbst und seiner Homosexualität, mit dem Vater, der dieselbe Neigung verspürt und den Nachbarn liebt, diese Liebe aber wegen seines starken Glaubens und der Verwurzelung in der protestantischen Gemeinde verleugnet. Exzellent formulierte Sätze zeigen die starke Naturverbundenheit des Autors. Starke Charakterzeichnungen, die Verzweiflung durch nicht bewältigte persönliche Konflikte zeichnen diesen Roman aus. Keiner ist ganz schuldlos, keiner ist ganz schuldig. Ethisches Dilemma wird zelebriert. Man kann nicht anders als mitzuleiden, kann niemand diese gordischen Knoten zerschlagen?
Douglas Stuart zelebriert die inneren Konflikte seiner Figuren meisterhaft; diese Konflikte müssten die darunter Leidenden zerbrechen. Weil sie unlösbar sind. Diese Unlösbarkeit ist fesselnd. Das Drehen und Wenden der Figuren, um einen Ausweg zu finden, teils unerträglich. Aber immer nachvollziehbar. Der Autor macht die Verzweiflung spürbar. Dabei will jeder nur das Beste für sich und für die anderen. Es kann aber nicht gelingen; auch was man aus Liebe tut, kann falsch sein und das genaue Gegenteil bewirken. Jedenfalls dann, wenn, wie bei Douglas Stuarts Figuren, man weder Hopp noch Topp sagen will, sondern sich vor jeder Entscheidung und deren möglichen Konsequenzen drückt.
Leider bleibt der Autor der harten Linie des inneren und äußeren Zerbruchs, den er bisher mit seinen Figuren konsequent gegangen ist, nicht treu; statt das Drama auch dramatisch über die Ziellinie zu bringen, gewährt er sensiblen Lesern eine Art von kleinem Happy End. Das ist schade, schmälert aber das Meisterhafte des Romans nur unwesentlich.
Fazit: Ein wunderschön geschriebener Roman, der allerhand menschliche Facetten ausleuchtet und Schottlands Hinterland gekonnt in Szene setzt. Darüber hinaus wird quasi nebenher die Geschichte der Textilwirtschaft und die Industrialisierung derselben, die die Weber an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz gedrängt hat, thematisiert. Man lernt also auch noch etwas aus dem Roman.
Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
Verlag: Hanser, 2026
Ein erstes Lesehighlight 2026
Kurzmeinung: Ein Roman über Protestantismus und Homosexualität, über Inselschönheit, Heimatliebe und prekäre wirtschaftliche Existenz. Ein Lesehighlight!
Der junge Cal studierte auf dem Festland Industriedesign. Edinburgh, das Festland, das ist für den Inseljungen, der aus dem kargen Harris stammt, etwas Neues, Aufregendes, Besonderes. Das Studium bewältigt er mit links, mit seinem Privatleben sieht es anders aus und vor allem findet er nach dem Studium keinen adäquaten Job. Und da er nicht zurück in die beschränkte Inselwelt will, häuft er einen kleinen Berg Schulden an.
Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Die Hebrideninsel Harris ist bekannt für seine exzellenten Weber, den berühmten Harris-Tweed, also die Wollwirtschaft und für seine wilde Schönheit. Die Bevölkerung lebt zudem von der Schafzucht und der Fischerei. Es reicht gerade mal so zum Leben. Die Insel ist karg, der Boden ausgelaugt, die Fischerei leidet wie überall an Fangquoten und Überfischung.
Die Protagonisten leben einen klassischen Generationenkonflikt. Cal, der Sohn, studiert erfolgreich, aber wirtschaftlich erfolglos ist er nach wie vor abhängig vom Vater, also von John, dem Weber, der seine Kunstfertigkeit an den Sohn weitergegeben hat.
Cal wird vom Vater mit einem Trick zurück nach Hause beordert und muss nun klarkommen, mit sich selbst und seiner Homosexualität, mit dem Vater, der dieselbe Neigung verspürt und den Nachbarn liebt, diese Liebe aber wegen seines starken Glaubens und der Verwurzelung in der protestantischen Gemeinde verleugnet. Exzellent formulierte Sätze zeigen die starke Naturverbundenheit des Autors. Starke Charakterzeichnungen, die Verzweiflung durch nicht bewältigte persönliche Konflikte zeichnen diesen Roman aus. Keiner ist ganz schuldlos, keiner ist ganz schuldig. Ethisches Dilemma wird zelebriert. Man kann nicht anders als mitzuleiden, kann niemand diese gordischen Knoten zerschlagen?
Douglas Stuart zelebriert die inneren Konflikte seiner Figuren meisterhaft; diese Konflikte müssten die darunter Leidenden zerbrechen. Weil sie unlösbar sind. Diese Unlösbarkeit ist fesselnd. Das Drehen und Wenden der Figuren, um einen Ausweg zu finden, teils unerträglich. Aber immer nachvollziehbar. Der Autor macht die Verzweiflung spürbar. Dabei will jeder nur das Beste für sich und für die anderen. Es kann aber nicht gelingen; auch was man aus Liebe tut, kann falsch sein und das genaue Gegenteil bewirken. Jedenfalls dann, wenn, wie bei Douglas Stuarts Figuren, man weder Hopp noch Topp sagen will, sondern sich vor jeder Entscheidung und deren möglichen Konsequenzen drückt.
Leider bleibt der Autor der harten Linie des inneren und äußeren Zerbruchs, den er bisher mit seinen Figuren konsequent gegangen ist, nicht treu; statt das Drama auch dramatisch über die Ziellinie zu bringen, gewährt er sensiblen Lesern eine Art von kleinem Happy End. Das ist schade, schmälert aber das Meisterhafte des Romans nur unwesentlich.
Fazit: Ein wunderschön geschriebener Roman, der allerhand menschliche Facetten ausleuchtet und Schottlands Hinterland gekonnt in Szene setzt. Darüber hinaus wird quasi nebenher die Geschichte der Textilwirtschaft und die Industrialisierung derselben, die die Weber an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz gedrängt hat, thematisiert. Man lernt also auch noch etwas aus dem Roman.
Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
Verlag: Hanser, 2026
Ein erstes Lesehighlight 2026