Wie der Vater, so der Sohn

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miro76 Avatar

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Im Zentrum des Romans steht John-Calum, genannt Cal, der auf den äußeren Hebriden aufgewachsen ist, als Sohn von John, großgezogen von seiner Großmutter Ella. Cal hat die Inseln zum Studieren verlassen, aber eine Arbeit findet er nicht. Als Ellas Gesundheitszustand nachlässt, wird er nach Hause gerufen.

Er kehrt zurück zu einem kargen Leben voll harter Arbeit. Schafzucht und Weberei prägen die Tage der Männer. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und Cal hat einen Berg Schulden angehäuft während seiner Zeit in Glasgow.

Außerdem prägt die Kirche die kleine Inselgemeinschaft. Sie spendet Trost und Zusammenhalt, kontrolliert die Mitglieder allerdings auch genau. In presbyterianischer Strenge wird darauf geachtet, dass niemand aus der Reihe tanzt. Für Individualität und Freiheitsdrang, wie ihn Cal verspürt, ist hier kein Platz. Doch auch John hütet ein großes Geheimnis, das der Kirche nicht gefallen würde. Dadurch lebt er ein Doppelleben, dass ihn fast zerreißt.

Und auch Cal sollte zu einem Doppelleben gezwungen werden, denn seine Homosexualität kann er auf der Insel nicht ausleben. Vielmehr soll er seine Kindheitsfreundin heiraten, denn die hat sich in andere Umstände gebracht. Loyalität wird über das persönliche Glück gestellt und der Schein muss zwingend gewahrt werden.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von Strenge und Härte geprägt. Sie lieben sich, reden aber kaum miteinander und wenn der Sohn nicht spurt, rutscht dem Vater schon mal die Hand aus. Schön ist das nicht! Doch wenn es drauf ankommt, sind die beiden doch füreinander da.

Diese Buch ist nicht ganz so hart wie Shuggie Bain oder Young Mungo, aber das karge Leben auf den äußeren Hebriden ist auch kein Zuckerschlecken. Diese Heimkehr ist für Cal eine Belastungsprobe nachdem er die Freiheit gekostet hat. In die Enge der Religion will er nicht zurückkehren, aber er ist bereit sich wieder in die Inselgemeinschaft einzugliedern. Er steht unter großem Druck und versucht trotzdem ein Stück weit seinen eigenen Weg zu gehen. Dafür mag ich Cal.

Und selbst John, mit seiner bigotten Strenge ist mir am Ende ans Herz gewachsen, denn auch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er hängt fest in seinen Traditionen und althergebrachten Strukturen. Das macht den Roman schließlich authentisch, denn so sind wir Menschen meistens.

John of John hat mir wieder gut gefallen, obwohl auch dies ein Buch ist, das nicht unbedingt gefallen will. Es ist schonungslos, manchmal kaltherzig und brutal und doch findet sich immer wieder ein Funken Hoffnung. Da ich es nicht so eindringlich wie die beiden Vorgänger empfunden habe, habe ich mich für 4 Sterne entschieden. Vielleicht ist das auch zu streng bewertet, aber es fühlt sich für mich richtig an. Empfehlen kann ich das Buch dennoch ohne Einschränkungen!