Zwischen Harris-Tweed und heiliger Strenge
Die Äußeren Hebriden – eine Welt aus Wind, Weite und Kargheit, geprägt von Schafzucht, Fischerei und dem rhythmischen Klang des Webstuhls. Der schottische Booker-Preisträger Douglas Stuart entführt uns in diese raue Landschaft und in eine Geschichte voller unerfüllter Sehnsucht, erdrückender Religiosität und zerbrechlicher Geheimnisse.
Cal kehrt nach seinem Studium auf dem Festland – und einem kurzen Aufatmen in der Freiheit – auf die Insel zurück. Sein Vater John, ein streng presbyterianischer Weber, erwartet Gehorsam sowie die Unterwerfung unter Gott und die Gemeinde. Dass Cal schwul ist, verschweigt er wohlweislich; es würde den Ausschluss aus allem bedeuten, was diese enge Welt zusammenhält. Und so lebt er eingeklemmt zwischen seinem wahren Ich und den Erwartungen der Gemeinschaft.
Doch der eigentliche Schlüssel zum Verständnis dieser Geschichte liegt vielleicht weniger bei Cal als bei seinem Vater. John ist ein Mann, der sich selbst mit einer irritierenden Konsequenz verleugnet. Während er nach außen hin unbeirrt für die Einhaltung der Regeln kämpft, verstößt er insgeheim gegen das, was er vehement predigt. John weiß um seine eigenen Widersprüche, und der Hass auf sich selbst entlädt sich in Wut und Aggression – und trifft am härtesten jenen Sohn, den er doch über alles liebt. Dass beides gleichzeitig wahr sein kann, Hass und Liebe, macht John zur wohl tragischsten Figur des Buches. Stuart beschreibt diesen Zwiespalt mit einer Präzision, die einen nicht loslässt:
„So war es, wenn man John Macleod liebte. Man tat es gegen jede Vernunft und bessere Einsicht, und immer wenn er die Glut fast ausgetreten hatte, schaffte er es, so sanft in die Asche zu blasen, dass das Feuer wieder aufflammte.“
Obwohl es ein Buch der leisen Töne ist, hat es mich regelrecht erschlagen. Stuart erzählt in großen, eindringlichen Bögen: von den inneren Kämpfen der Figuren, der Doppelmoral einer frommen Gemeinschaft und der zärtlichen Verbundenheit, die zwischen Menschen aufscheint, denen Nähe versagt bleibt. Besonders berührt hat mich, wie Stuart die Sprache selbst zum Instrument macht: Die Weber-Metaphorik zieht sich durch den Text wie ein Kettfaden, Farbbeschreibungen leuchten immer wieder auf, und die gälischen Begriffe – kursiv gesetzt und teils direkt übersetzt – verleihen der Erzählung eine besondere Authentizität.
Ein Schmöker im besten Sinne: wuchtig, intensiv und mit Landschaftsbeschreibungen, die mich ernsthaft in Versuchung führen, die Hebriden bald selbst zu besuchen.
Cal kehrt nach seinem Studium auf dem Festland – und einem kurzen Aufatmen in der Freiheit – auf die Insel zurück. Sein Vater John, ein streng presbyterianischer Weber, erwartet Gehorsam sowie die Unterwerfung unter Gott und die Gemeinde. Dass Cal schwul ist, verschweigt er wohlweislich; es würde den Ausschluss aus allem bedeuten, was diese enge Welt zusammenhält. Und so lebt er eingeklemmt zwischen seinem wahren Ich und den Erwartungen der Gemeinschaft.
Doch der eigentliche Schlüssel zum Verständnis dieser Geschichte liegt vielleicht weniger bei Cal als bei seinem Vater. John ist ein Mann, der sich selbst mit einer irritierenden Konsequenz verleugnet. Während er nach außen hin unbeirrt für die Einhaltung der Regeln kämpft, verstößt er insgeheim gegen das, was er vehement predigt. John weiß um seine eigenen Widersprüche, und der Hass auf sich selbst entlädt sich in Wut und Aggression – und trifft am härtesten jenen Sohn, den er doch über alles liebt. Dass beides gleichzeitig wahr sein kann, Hass und Liebe, macht John zur wohl tragischsten Figur des Buches. Stuart beschreibt diesen Zwiespalt mit einer Präzision, die einen nicht loslässt:
„So war es, wenn man John Macleod liebte. Man tat es gegen jede Vernunft und bessere Einsicht, und immer wenn er die Glut fast ausgetreten hatte, schaffte er es, so sanft in die Asche zu blasen, dass das Feuer wieder aufflammte.“
Obwohl es ein Buch der leisen Töne ist, hat es mich regelrecht erschlagen. Stuart erzählt in großen, eindringlichen Bögen: von den inneren Kämpfen der Figuren, der Doppelmoral einer frommen Gemeinschaft und der zärtlichen Verbundenheit, die zwischen Menschen aufscheint, denen Nähe versagt bleibt. Besonders berührt hat mich, wie Stuart die Sprache selbst zum Instrument macht: Die Weber-Metaphorik zieht sich durch den Text wie ein Kettfaden, Farbbeschreibungen leuchten immer wieder auf, und die gälischen Begriffe – kursiv gesetzt und teils direkt übersetzt – verleihen der Erzählung eine besondere Authentizität.
Ein Schmöker im besten Sinne: wuchtig, intensiv und mit Landschaftsbeschreibungen, die mich ernsthaft in Versuchung führen, die Hebriden bald selbst zu besuchen.