Körper, Krankheit, Kontrolle: ein kluges literarisches Krankheitsprotokoll
Nachdem mich Lügen über meine Mutter so begeistert hatte, war ich umso erfreuter, dass die Geschichte von Ela weitergeht.
Ela hat gerade ihre Dissertation fertiggestellt, die noch verteidigt werden muss. An Ausruhen ist also weiterhin nicht zu denken, doch nun wird sie zusätzlich von Halsschmerzen geplagt. Gleich zu Beginn wird eindrücklich ihr schwieriges Verhältnis zu Krankheiten und Ärzt:innen geschildert: Entweder sie spielt ihre Symptome herunter oder gerät in panische Notfallstimmung. Ela hat sich mit sich selbst gleichzeitig zu viel und zu wenig auseinandergesetzt, sie kennt ihre eigenen Grenzen nicht, weiß nicht, was sie von außen annehmen darf oder soll. (Außer vielleicht den Rat ihrer Therapeutin, bei Krankheit besser nicht die Mutter anzurufen …)
Der Körper ihrer Mutter spielt erneut eine zentrale Rolle: Während Ela als junge Frau mit anhaltendem Krankheitsleiden um Selbstverständnis ringt, scheint ihre Mutter plötzlich aufzublühen. Die Familienkonstellation bleibt – wie schon im Vorgänger – undurchsichtig: ein Bruder, der sich für alles zu schämen scheint, eine Mutter, die unberechenbar bleibt, und mittendrin Ela, die sich ihren eigenen Platz in dieser Konstellation nicht zugestehen kann oder darf. Und dennoch beeinflussen sie sich alle gegenseitig.
Auch die beste Freundin, die an Homöopathie glaubt und selbst kaum zur Ruhe kommt, spielt eine Rolle, ebenso wie die zermürbende wissenschaftliche Arbeit, die trotz allem kaum Perspektiven bietet. Die kleine Ausweichlüge über ihre angeblichen Japanischkenntnisse wächst sich aus, und dann ist da noch eine Katze namens Sir Nicholas. Ela ist viel mehr als nur „eine Frau mit Katze“, sie wird regelrecht gezwungen, sich über ihre Krankheitsgeschichte zu definieren, gefangen in einem Teufelskreis aus Symptomen, Selbstzweifeln und gesellschaftlichem Druck.
Besonders eindrücklich sind die Arztbegegnungen, in denen sie nicht ernst genommen wird – eine Situation, die vielen Frauen nur allzu bekannt vorkommen dürfte. Elas Erzählung wirft grundlegende Fragen auf: Wie krank macht Stress wirklich? Was ist eine valide Wahrnehmung von Krankheit? Und: Was schulde ich der Gesellschaft?
Ich liebe den Erzählstil. Ela wirkt mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund absolut glaubwürdig. Sie drückt sich klar und sachlich aus, aber nie ohne Erkenntnistiefe. Sie will wirklich verstehen, was mit ihrem Körper los ist, kann sich der emotionalen Ebene dabei aber nicht entziehen. Wenn sie zwischen ihren Überzeugungen hin- und herpendelt, bin ich immer ganz bei ihr, auch wenn sie ihre Gedanken wenige Seiten später selbst wieder revidiert. Ich vertraue ihr als Erzählerin vollkommen, ohne dass ich einen Wahrheitsanspruch erwarte.
Eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ela hat gerade ihre Dissertation fertiggestellt, die noch verteidigt werden muss. An Ausruhen ist also weiterhin nicht zu denken, doch nun wird sie zusätzlich von Halsschmerzen geplagt. Gleich zu Beginn wird eindrücklich ihr schwieriges Verhältnis zu Krankheiten und Ärzt:innen geschildert: Entweder sie spielt ihre Symptome herunter oder gerät in panische Notfallstimmung. Ela hat sich mit sich selbst gleichzeitig zu viel und zu wenig auseinandergesetzt, sie kennt ihre eigenen Grenzen nicht, weiß nicht, was sie von außen annehmen darf oder soll. (Außer vielleicht den Rat ihrer Therapeutin, bei Krankheit besser nicht die Mutter anzurufen …)
Der Körper ihrer Mutter spielt erneut eine zentrale Rolle: Während Ela als junge Frau mit anhaltendem Krankheitsleiden um Selbstverständnis ringt, scheint ihre Mutter plötzlich aufzublühen. Die Familienkonstellation bleibt – wie schon im Vorgänger – undurchsichtig: ein Bruder, der sich für alles zu schämen scheint, eine Mutter, die unberechenbar bleibt, und mittendrin Ela, die sich ihren eigenen Platz in dieser Konstellation nicht zugestehen kann oder darf. Und dennoch beeinflussen sie sich alle gegenseitig.
Auch die beste Freundin, die an Homöopathie glaubt und selbst kaum zur Ruhe kommt, spielt eine Rolle, ebenso wie die zermürbende wissenschaftliche Arbeit, die trotz allem kaum Perspektiven bietet. Die kleine Ausweichlüge über ihre angeblichen Japanischkenntnisse wächst sich aus, und dann ist da noch eine Katze namens Sir Nicholas. Ela ist viel mehr als nur „eine Frau mit Katze“, sie wird regelrecht gezwungen, sich über ihre Krankheitsgeschichte zu definieren, gefangen in einem Teufelskreis aus Symptomen, Selbstzweifeln und gesellschaftlichem Druck.
Besonders eindrücklich sind die Arztbegegnungen, in denen sie nicht ernst genommen wird – eine Situation, die vielen Frauen nur allzu bekannt vorkommen dürfte. Elas Erzählung wirft grundlegende Fragen auf: Wie krank macht Stress wirklich? Was ist eine valide Wahrnehmung von Krankheit? Und: Was schulde ich der Gesellschaft?
Ich liebe den Erzählstil. Ela wirkt mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund absolut glaubwürdig. Sie drückt sich klar und sachlich aus, aber nie ohne Erkenntnistiefe. Sie will wirklich verstehen, was mit ihrem Körper los ist, kann sich der emotionalen Ebene dabei aber nicht entziehen. Wenn sie zwischen ihren Überzeugungen hin- und herpendelt, bin ich immer ganz bei ihr, auch wenn sie ihre Gedanken wenige Seiten später selbst wieder revidiert. Ich vertraue ihr als Erzählerin vollkommen, ohne dass ich einen Wahrheitsanspruch erwarte.
Eine erkenntnisreiche Lektüre.