Atem anhalten

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sonnenblumeberlin Avatar

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Schon auf den ersten Seiten zieht die Leseprobe einen mit einem Ruck hinein: erst dieses rauschhafte, fast körperliche Sommergefühl der Jugend auf den Fahrrädern – als würde die Zeit selbst kurz den Halt verlieren –, und dann der harte Schnitt in etwas Unheimliches: Kala ist verschwunden, und plötzlich bekommt jede Erinnerung Gewicht. Der Text erzählt mit starkem Rhythmus und sehr sinnlicher Sprache (Gerüche, Hitze, Lärm), gleichzeitig aber ohne Romantisierung: Hinter dem „Ferien-Vibe“ liegt eine Stadt, die klatscht, tratscht, ausweicht – und Menschen, die das, was passiert ist, nie wirklich loswerden. Besonders spannend wirkt die Perspektivwechsel-Dramaturgie: Aus dem jugendlichen Wir-Gefühl wird später ein erwachsener Blick voller Nervosität, Scham, Wut und unausgesprochener Schuld. Das macht sofort neugierig, weil man spürt: Hier geht es nicht nur um ein Vermisstenrätsel, sondern um Freundschaft, Herkunft und das, was eine Kleinstadt in einem festhält – ob man will oder nicht.