Coming-Of-Age mit wundervollen, authentischen Charakteren

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linafleo Avatar

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„Und vielleicht besteht das Leben einfach aus einer Vielzahl von Strömungen, die einander beeinflussen, umleiten, in sämtliche Richtungen.“

Kinlough, eine Kleinstadt an der Küste Irlands, in der sich normalerweise nur Touristen aufhalten. Kala, Mush, Aiden, Joe, Helen und Aoife, die dort Ihre Jugend verbringen - mutig, rasant, unbedacht. Zwischen ersten, aufregenden Liebesbeziehungen, Streit und Eifersucht, schlittern die Freunde auch in die ein oder andere gefährliche Situation. Bis Kala eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. 15 Jahre später trifft ein Teil der Freundesgruppe wieder aufeinander. Keiner hat die mysteriöse Geschehnisse von damals, die nie ganz aufgeklärt werden konnten, richtig verarbeiten können. Doch plötzlich sind da neue Erkenntnisse und es werden menschliche Überreste auf einer Baustelle gefunden…

Colin Walsh gelingt mit KALA ein spannender, wundervoll ineinander verwobener Mystery-DEBUT(!)-Roman in Multiperspektive. Jeder Charakter - sowohl die Erzähler, als auch die Nebencharaktere - ist so einzigartig, so dynamisch, so echt, dass du sie nicht wieder gehen lassen willst. Du hast das Gefühl, du kennt die handelnden Personen, als wärst du selber Teil der Geschichte; du fühlst mit, du leidest mit, die fühlst dich wie auf einer Achterbahnfahrt. Dabei funktioniert der Sprung zwischen der „Echtzeit“ und der Vergangenheit, und auch zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven, so nahtlos, dass du gar nicht mehr das Gefühl hast, ein Buch zu lesen,- viel mehr ist es, als würdest du deine Lieblings-Mystery-TV-Serie schauen, und plötzlich bist du selber ein Teil davon. Du hast die Charaktere so bildlich vor Augen, als wären es deine eigenen Freunde, die einen Schmerz mit dir teilen, über den sie nicht reden. Und so trauert jeder für sich, über die Vergangenheit, die Momente, in denen Alles ins Wanken geriet und ihr erwachsen wurdet. Geheimnisse werden enthüllt, es zerreißt dir förmlich das Herz, und du willst die Protagonistinnen einfach nur in den Arm nehmen, sie wieder zueinander führen, ihnen sagen „Haltet zusammen! Hört auf mit dem selbstzerstörerischen Verhalten! Tröstet euch gegenseitig! Redet miteinander!“ und ein Pflaster über die Wunden kleben, die über viele, viele Jahre hinweg nicht richtig heilen konnten.

Ich vermisse diese Charaktere schon jetzt, während ich das hier schreibe, und hoffe, dass ich irgendwann zu ihnen zurückkehren kann.