Komplex und brutal

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krani Avatar

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In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn Jahre später werden die damaligen Ereignisse wieder aufgerollt, als ein menschliches Skelett gefunden wird.
Die vier Hauptpersonen in diesem Buch berichten alle aus ihrer jeweils eigenen Sicht, und zwar sowohl die Geschichte von damals als auch die von heute. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, besonders als die pubertierenden Jugendlichen im kleinen Dorf der Vergangenheit. Das ist schön zu lesen. Doch es sind ja insgesamt acht verschiedene Storys. Viel zu viele Perspektiven, als dass man dem aktuellen Geschehen gut folgen könnte, obwohl es nur wenige Tage umfasst. So wird das Lesen zu einer komplexen Ermittlungsarbeit, die die Spannung zerstört. In welche Richtung das Ganze geht, wird erst auf den letzten 50 Seiten klar. Bis dahin herrscht eine zunehmend dichte Atmosphäre von Angst und Ungewissheit, was es durchaus spannend machen könnte, wenn man immer genau wüsste, wer gerade was weiß und denkt und getan hat usw. Es gibt viel Brutalität in der Geschichte, die beschriebenen Grausamkeiten hätten eine Triggerwarnung verdient.
Insgesamt eher enttäuschend und manchmal etwas länglich.