one escalation at a time

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lillywunder Avatar

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Sommer, 2003. Im irischen Kinlough erlebt eine Gruppe Jugendlicher die Zeit ihres Lebens. Doch dann ist der Sommer vorbei und Kala, die mutigste von ihnen, ist spurlos verschwunden. Auch 15 Jahre später, als Helen, Mush und Joe in ihrer Heimatstadt wieder aufeinander treffen, fehlt von ihr noch jede Spur. Bis plötzlich menschliche Überreste gefunden werden.

Der Debütroman von Colin Walsh ist 500 Seiten dick, doch davon merkt man beim Lesen nichts (das sind meine liebsten dicken Bücher). Ein "Pageturner", hab ich darüber oft gelesen und würde zustimmen, allerdings mit einer slow-burn suspense, one escalation at a time. Das Buch fällt für mich in die Kategorie "literarischer Thriller", ein Kriminalfall bildet den Rahmen, doch eigentlich lebt diese Geschichte durch ihre (vielen, aber gut gezeichneten) Charaktere und die starke Atmosphäre. Die Erzählung springt zwischen den verschiedenen Perspektiven, der Cast ist groß und ich musste immer wieder in der glücklicherweise vorhandenen Übersicht nachschlagen, wie die Personen miteinander verbandelt sind. Und sie springt auch zeitlich 15 Jahre hin und her, vom dringlichen Draufgängertum der Jugend zu den nostalgischen Erinnerungen, die daraus wurden und wieder zurück. (Wer "Der Gott des Waldes" mochte, wird auch "Kala mögen.) Dabei gibt es Coming of Age-Elemente, es gibt Gewalt in ihren verschiedensten Spielarten und eine Kleinstadt, die nach und nach ihre dunklen Geheimnisse preisgibt. Lust auf einen atmosphärischen Spannungs-Schmöker? Go for it. Meine Empfehlung hat es.