Nichts Halbes und nichts Ganzes, aber auf jeden Fall deprimierend!
Der Debütroman "Kala" von Colin Walsh hat bereits etliche Lorbeeren eingeheimscht: "Absolute Meisterklasse" The Washington Post oder "ein echter Pageturner" lt. dem Guardian.
Ich kann mich dem leider nur bedingt anschließen. Der in einer unscheinbaren kleinen Touristenstadt an der Westküste Irlands spielende Thriller enthält zwar einige spannende und äußerst brutale und in meinen Augen unmenschliche Szenen, doch fängt er sehr stockend an. Die ersten 100 bis 200 Seiten muss man erstmal geschafft haben, um dran zu bleiben, und auch, um auf kaum aushaltbare Brutalität und Widerlichkeiten zu stoßen, die mich fast veranlasst haben, das Buch zur Seite zu legen.
Bröckchenweise erfährt man von den traumatischen Erlebnissen, die Mash, Joe, Aidan, Helen, Aoife und die titelgebende Kala in ihrer Jugend in Kinlough erleben. Sie bildeten für eine kurze Zeit eine Clique und eingeschworene Gemeinschaft, die mit dem plötzlichen Verschwinden Kalas abrupt endet. 15 Jahre später treffen sich Mash, Joe und Helen in der kleinen Stadt wieder. Kurz darauf werden die menschlichen Überreste von Kala auf einer Baustelle gefunden. Dann geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit überschlagen sich die Ereignisse und nicht nur die Leben der Drei hängen an einem seidenen Faden...
Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Mash, Helen und Joe, wobei die Zeitebenen verschwimmen. Es gibt viele innere Schwenks in Form von Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Kala. Der Wechsel von der Jetztzeit in die Vergangenheit ist dabei oft fließend und kann durchaus verwirren.
Der Ort Kinlough und das, was die jungen Freunde dort erleben, ist deprimierend und trostlos. Sie sind von Tristess, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Gewalt und Brutalität umgeben und strahlen das auch aus. Ihre Wortwahl ist mehr als ungeschliffen und oft geschmacklos. Beispiel: Kotzkübel. So bezeichnet Aiofe ihre Freundin Helen und das ernstgemeint und immer wieder. Kala erscheint zwar durchaus charismatisch und schillernd, hat aber auch eine ungezügelte wilde und vulgäre Seite.
Wie ernst und gefährlich das Leben in dieser unseeligen Stadt aber wirklich ist, erfährt man erst Stück für Stück. Je mehr man über die Gang der Lyons, zu deren Familie auch der gutmütige Mash gehört, erfährt, desto tiefer versinkt man in dem unsäglichen Sumpf aus Armut, Korruption und Verbrechen. Die Lyons vor allem ihr Oberhaupt "Onkel Ger" und sein Adjoudant Kousin Tearbag" tyrannisieren die Clique und die gesamte Stadt.
Was ich dem Autoren zu Gute halte, ist, dass er wirklich gekonnt eine scheinbare Realität einer absolut lebensfeindlichen und brutalen Umgebung schafft und zeigt, was sie aus und mit den Menschen macht. Je tiefer man in das Buch eintaucht, desto verstörendender werden die Ereignisse. Man merkt aber auch, dass die jungen Protagonisten nicht einfach hohle und leere, schicksalsergebene Figuren sind, sondern unter ihrer rauhen Schale junges, naives und unverdorbenes Leben pulsiert. Sie haben noch den Glauben an das Gute und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Zum Ende wird der Roman dann wirklich zum Thriller: spannend,brutal und knallhart.
Fazit: Mir hat der gesamt Plot nicht gefallen. Die gesamte Szenerie hat auf mich deprimierend, abstoßend und niederschmetternd gewirkt.
Der Roman hat Krimi- und Thrillermomente, könnte aber auch eine "Sozialstudie" sein. Dies ist kein Buch für normale Romanleser, dafür ist es zu brutal und es ist nichts für Thrillerfans, dafür ist es zu langatmig und schwierig. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
3 Sterne
Ich kann mich dem leider nur bedingt anschließen. Der in einer unscheinbaren kleinen Touristenstadt an der Westküste Irlands spielende Thriller enthält zwar einige spannende und äußerst brutale und in meinen Augen unmenschliche Szenen, doch fängt er sehr stockend an. Die ersten 100 bis 200 Seiten muss man erstmal geschafft haben, um dran zu bleiben, und auch, um auf kaum aushaltbare Brutalität und Widerlichkeiten zu stoßen, die mich fast veranlasst haben, das Buch zur Seite zu legen.
Bröckchenweise erfährt man von den traumatischen Erlebnissen, die Mash, Joe, Aidan, Helen, Aoife und die titelgebende Kala in ihrer Jugend in Kinlough erleben. Sie bildeten für eine kurze Zeit eine Clique und eingeschworene Gemeinschaft, die mit dem plötzlichen Verschwinden Kalas abrupt endet. 15 Jahre später treffen sich Mash, Joe und Helen in der kleinen Stadt wieder. Kurz darauf werden die menschlichen Überreste von Kala auf einer Baustelle gefunden. Dann geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit überschlagen sich die Ereignisse und nicht nur die Leben der Drei hängen an einem seidenen Faden...
Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Mash, Helen und Joe, wobei die Zeitebenen verschwimmen. Es gibt viele innere Schwenks in Form von Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Kala. Der Wechsel von der Jetztzeit in die Vergangenheit ist dabei oft fließend und kann durchaus verwirren.
Der Ort Kinlough und das, was die jungen Freunde dort erleben, ist deprimierend und trostlos. Sie sind von Tristess, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Gewalt und Brutalität umgeben und strahlen das auch aus. Ihre Wortwahl ist mehr als ungeschliffen und oft geschmacklos. Beispiel: Kotzkübel. So bezeichnet Aiofe ihre Freundin Helen und das ernstgemeint und immer wieder. Kala erscheint zwar durchaus charismatisch und schillernd, hat aber auch eine ungezügelte wilde und vulgäre Seite.
Wie ernst und gefährlich das Leben in dieser unseeligen Stadt aber wirklich ist, erfährt man erst Stück für Stück. Je mehr man über die Gang der Lyons, zu deren Familie auch der gutmütige Mash gehört, erfährt, desto tiefer versinkt man in dem unsäglichen Sumpf aus Armut, Korruption und Verbrechen. Die Lyons vor allem ihr Oberhaupt "Onkel Ger" und sein Adjoudant Kousin Tearbag" tyrannisieren die Clique und die gesamte Stadt.
Was ich dem Autoren zu Gute halte, ist, dass er wirklich gekonnt eine scheinbare Realität einer absolut lebensfeindlichen und brutalen Umgebung schafft und zeigt, was sie aus und mit den Menschen macht. Je tiefer man in das Buch eintaucht, desto verstörendender werden die Ereignisse. Man merkt aber auch, dass die jungen Protagonisten nicht einfach hohle und leere, schicksalsergebene Figuren sind, sondern unter ihrer rauhen Schale junges, naives und unverdorbenes Leben pulsiert. Sie haben noch den Glauben an das Gute und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Zum Ende wird der Roman dann wirklich zum Thriller: spannend,brutal und knallhart.
Fazit: Mir hat der gesamt Plot nicht gefallen. Die gesamte Szenerie hat auf mich deprimierend, abstoßend und niederschmetternd gewirkt.
Der Roman hat Krimi- und Thrillermomente, könnte aber auch eine "Sozialstudie" sein. Dies ist kein Buch für normale Romanleser, dafür ist es zu brutal und es ist nichts für Thrillerfans, dafür ist es zu langatmig und schwierig. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
3 Sterne