Zwischen Krimi und Sozialstudie
Die Journalistin Helen reist aus Québec zurück in ihre Heimat Irland, um die Hochzeit ihres verwitweten Vaters Rossi Laughlin mit Pauline zu feiern, die kapriziöse Zwillingstöchter mit in die Patchwork-Familie bringen wird. Je länger ich Helens Wege verfolgte, umso distanzierter wirkte sie und je stärker wurde mein Eindruck, dass sie sich durch ihre Auswanderung elegant einem komplizierten Gewirr an Konflikten entzogen hatte und einige Personen ihr das zu neiden scheinen. 15 Jahre zuvor war sie Mitglied einer Clique Gleichaltriger, die aus den Jungen Joe, Mush und Aidan (Mushs inzwischen verstorbenem Cousin) bestand, die gemeinsam in einer Band spielten, sowie Helen, Aoife und der legendären Katherine/Kala. Der Fall Kala Lannon, die eines Tages einfach verschwand, wurde nie aufgeklärt.
Colin Walshs Figuren aus drei Generationen sind vielfältig miteinander verbandelt durch Familie, Schule, Freundschaften, die Band; mindestens eine Person kommt aus einer Polizistenfamilie. Jede Veränderung dieses empfindlichen Netzes könnte Anlass für einen Konflikt mit tödlichem Ausgang gewesen sein.
Als bei Bauarbeiten für eine Feriensiedlung am See Kalas Skelett mit auffälligen Spuren von Misshandlungen gefunden wird, drängt Helens Reporter-Instinkt sie dazu, in diesem Cold Case zu ermitteln. Kala lebte damals allein mit ihrer Großmutter und niemand schien sich zu fragen, wo ihre Eltern waren und wie „Mammy“ als Rollstuhlfahrerin und eine Teenagerin allein zurechtkamen. Mush wird sein vertrautes Kinlough nicht verlassen, er spielt die Rolle des Guten, zufrieden damit, seiner Mutter im Café zu helfen und über dem Café zu wohnen. Joe Brennan hat offenbar ohne finanzielle Sorgen Karriere als Musiker gemacht. Seine Beziehung zu Kala wurde 2003 von seinen Eltern entschieden abgelehnt, die sich zu fein für die Lannons fanden. Helens Ermittlungen konfrontieren sie mit Einstellungen gegenüber Außenseitern einer Gemeinschaft, die in diesem Jahrtausend befremden könnten und unangenehm an das „Wegschaffen“ lediger Schwangerer und ihrer Babys aufs Land oder in Klöster erinnern.
Helen und Colin Walshs Leser:innen fragen sich, wen Kala an ihrem letzten Lebenstag getroffen hat, ob es Mitwisser der Ereignisse gibt – und warum bis heute kaum über Aidans Tod und schon gar nicht über die Herkunft von Mushs offensichtlich schwerer Verletzung gesprochen wird.
Erzählt wird der Mix aus Gesellschaftsstudie und Cold Case von zwei Icherzählern (Helen und Mush) und Joe, der in der Du-Form sich selbst ansprechen könnte, aber sich ebenso gut durch diese Form von den Ereignissen distanzieren könnte. Die Abgrenzung, ob gerade von der Gegenwart 2018 oder der Vergangenheit erzählt wird, fand ich nicht immer eindeutig – das könnte ein Problem von ebook-Dateien sein.
Fazit
Den Vergleich des komplexen Romans im Guardian mit Tana French und Donna Tartt finde ich hier sehr passend, da beide Autorinnen umfangreiche Romane mit zahlreichen Figuren vorlegten, in denen lange offen bleibt, ob sie zum Krimi oder zur Sozialstudie tendieren.
Colin Walshs Figuren aus drei Generationen sind vielfältig miteinander verbandelt durch Familie, Schule, Freundschaften, die Band; mindestens eine Person kommt aus einer Polizistenfamilie. Jede Veränderung dieses empfindlichen Netzes könnte Anlass für einen Konflikt mit tödlichem Ausgang gewesen sein.
Als bei Bauarbeiten für eine Feriensiedlung am See Kalas Skelett mit auffälligen Spuren von Misshandlungen gefunden wird, drängt Helens Reporter-Instinkt sie dazu, in diesem Cold Case zu ermitteln. Kala lebte damals allein mit ihrer Großmutter und niemand schien sich zu fragen, wo ihre Eltern waren und wie „Mammy“ als Rollstuhlfahrerin und eine Teenagerin allein zurechtkamen. Mush wird sein vertrautes Kinlough nicht verlassen, er spielt die Rolle des Guten, zufrieden damit, seiner Mutter im Café zu helfen und über dem Café zu wohnen. Joe Brennan hat offenbar ohne finanzielle Sorgen Karriere als Musiker gemacht. Seine Beziehung zu Kala wurde 2003 von seinen Eltern entschieden abgelehnt, die sich zu fein für die Lannons fanden. Helens Ermittlungen konfrontieren sie mit Einstellungen gegenüber Außenseitern einer Gemeinschaft, die in diesem Jahrtausend befremden könnten und unangenehm an das „Wegschaffen“ lediger Schwangerer und ihrer Babys aufs Land oder in Klöster erinnern.
Helen und Colin Walshs Leser:innen fragen sich, wen Kala an ihrem letzten Lebenstag getroffen hat, ob es Mitwisser der Ereignisse gibt – und warum bis heute kaum über Aidans Tod und schon gar nicht über die Herkunft von Mushs offensichtlich schwerer Verletzung gesprochen wird.
Erzählt wird der Mix aus Gesellschaftsstudie und Cold Case von zwei Icherzählern (Helen und Mush) und Joe, der in der Du-Form sich selbst ansprechen könnte, aber sich ebenso gut durch diese Form von den Ereignissen distanzieren könnte. Die Abgrenzung, ob gerade von der Gegenwart 2018 oder der Vergangenheit erzählt wird, fand ich nicht immer eindeutig – das könnte ein Problem von ebook-Dateien sein.
Fazit
Den Vergleich des komplexen Romans im Guardian mit Tana French und Donna Tartt finde ich hier sehr passend, da beide Autorinnen umfangreiche Romane mit zahlreichen Figuren vorlegten, in denen lange offen bleibt, ob sie zum Krimi oder zur Sozialstudie tendieren.