Das echte Leben ungeschönt

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madame_bibliophilia Avatar

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Kaskaden sind in der Biochemie Abfolgen von Reaktionen oder Einzelschritten in einem Stoffwechselweg, was ich aufgrund der Leseprobe sehr passend als Titel für diesen Roman finde. Jojo studiert schließlich etwas mit Bio, wobei sie viel Zeit im Labor verbringt. Auch das Cover wirkt sehr passend und verkörpert eine jugendliche Situation, die so direkt aus einer Studienzeit entsprungen sein könnte. Doch Jojo ist keine typische Studentin. Sie fällt aus dem Raster: trinkt Filterkasse vom Ranzkiosk und verbringt ihre Nächte lieber im Labor als auf Erstipartys. Der Begriff Kaskaden lässt sich auch ganz gut auf ihr bisheriges Leben beziehen. Das ist schließlich auch eine Abfolge von vielen einzelnen Schritten raus aus der Vorstadt und rein in das Studentenleben und eine Abfolge von vielen Reaktionen wie darauf, dass Yara den Kontakt zu Jojo abgebrochen hat.

Der Schreibstil der Autorin hat mir direkt gefallen. Diese leicht literarische, melancholische Stimmung verkörpert durch Ellipsen und gespickt mit ironischen Kommentaren. Louise K. Böhm zeigt mit ihrem Schreibstil zudem auch sehr gut die Klassenunterschiede, indem Jojo ihren Kaffee, ihre Beziehung zu ihren Eltern und auch ihre Wohnung mit denen der anderen vergleicht. Melle als WG-Mitbewohnerin und Nebencharakter finde ich passend gestaltet und mir gefällt, dass sie Jojo immer wieder anregt, mitzukommen. Insgesamt gefällt mir, dass Jojo so realistisch wirkt. Mit echten Problemen und Sorgen. Wie jemand, den man im echten Leben kennen könnte.

Die Leserinnen und Leser merken sofort, dass Jojo viele Hindernisse überwältigen musste, um heute an dem Punkt in ihrem Leben zu sein, an dem sie sich befindet. Das bringt die Autorin durch ihren modernen Schreibstil sehr gut hervor.

Mich interessiert besonders, was auf der DVD zu sehen ist und ob das einen Hinweis darauf gibt, warum Yara nicht mehr mit Jojo redet, wo die beiden ihre Kindheit und Jugend anscheinend in jeder Sekunde zusammen verbracht haben. Zudem frage ich mich, ob Jojo und Jakob doch nicht so unterschiedlich sind, wie es zuerst scheint. Ihre Leidenschaften für Biologie teilen sie sich schon mal.

Dieser Roman hat mich schon auf Basis der Leseprobe mit dem literarischen, aber modernen Schreibstil der Autorin begeistert und ich habe Jojo als Protagonistin bereits in mein Herz geschlossen. Ich bin gespannt, wie ihre Geschichte weitergeht, vor allem weil es sehr unvorhersehbar ist. Bekommt sie wieder Kontakt zu Yara und wenn ja, auf welche Weise? Kommt sie Jakob näher, auch wenn beide auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind? Haben die beiden mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denkt? Welche Herausforderungen muss Jojo aufgrund ihrer Herkunft noch meistern?