Ein Debüt mit Sogwirkung

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jori1020 Avatar

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Wie schön, dass neben den etablierten Autor*innen immer wieder junge, neue und vor allem erfrischende Stimmen ihren Weg in die Literaturwelt finden. In diesem Jahr etwa Kea von Garnier, Marie Menke, Anna Katharina Scheidemantel oder nun auch Louise K. Böhm mit ihrem Debütroman 'Kaskaden'. Sie bringen nicht selten eine moderne Art des Schreibens und einen ganz eigenen Ton mit, in dem sich viele Leser*innen der jüngeren Generation wiederfinden dürften.

Böhm greift dabei Themen auf, die viele junge Menschen beschäftigen: Studium, Freund*innenschaften, Zugehörigkeit, Begehren und Liebe.
Im Mittelpunkt steht Jojo, Mitte zwanzig, Masterstudentin der Molekularbiologie. Am liebsten verbringt sie ihre Zeit im Labor, wo sich Proteine filtern lassen und „das Unwesentliche vom Wesentlichen getrennt wird“. Im echten Leben gelingt ihr das deutlich weniger gut. Die Folgen belastender Erlebnisse aus der Vergangenheit, ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, finanzielle Sorgen und ihr ausgeprägter Hygiene- und Waschzwang machen es ihr schwer, irgendwo wirklich anzukommen oder sich auf andere Menschen einzulassen.

So fern Jojo vielen anderen Figuren im Roman zunächst bleibt, so nah kommt sie den Leser*innen. Das gelingt insbesondere durch die direkte, ungeschönte und manchmal auch derbe Sprache, die dem Buch seinen ganz eigenen Sound verleiht. Hinzu kommen die vielen kleinen Details, Liedtitel, Marken und Alltagsbeobachtungen, die ganz selbstverständlich in die Erzählung einfließen und eine große Nähe zur Lebenswelt der Protagonistin schaffen. Man begleitet ihre Unsicherheiten, ihre Ängste und Sehnsüchte so unmittelbar, dass man irgendwann nur noch hofft, sie möge ihren Platz im Leben finden und endlich glücklich werden. Genau daraus bezieht der Roman seine besondere Stärke. Er entwickelt eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Seite um Seite fiebert man mit und hofft, dass sich für Jojo alles zum Guten wendet.

Ein eindringliches, modernes und rundum gelungenes Debüt, von dem man hoffentlich noch lange hören wird.