Eine Geschichte, die leise beginnt und lange nachhallt

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amyvalentin Avatar

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Kaskaden ist kein Roman, der mit großen Wendungen oder viel Drama überzeugen möchte. Stattdessen erzählt Louise K. Böhm eine Geschichte, die sich langsam entfaltet und gerade dadurch so eindringlich wirkt. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass hier weniger die Handlung als vielmehr die Figuren und ihre Emotionen im Mittelpunkt stehen und genau das hat mich schnell in den Bann gezogen.

Jojo war für mich eine unglaublich greifbare Protagonistin. Ihre Zweifel, die ständige Angst, nicht dazuzugehören, und der Spagat zwischen ihrer Herkunft und ihrem heutigen Leben haben sich sehr authentisch angefühlt. Besonders die Freundschaft zu Yara hat mich berührt. Sie wird mit all ihren schönen, komplizierten und schmerzhaften Seiten erzählt und zeigt, wie sehr Beziehungen einen Menschen prägen können, selbst dann, wenn sie längst vorbei sind.
Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich Themen wie Herkunft, soziale Ungleichheit und das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen, in die Geschichte eingebunden werden. Nichts wirkt belehrend, stattdessen entwickelt sich vieles ganz natürlich aus den Figuren und ihren Erfahrungen. Gerade dadurch haben mich viele Gedanken aus dem Buch noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er ist bildhaft und oft fast poetisch, ohne dabei künstlich zu wirken. Manche Passagen wollte ich direkt noch einmal lesen, weil sie so treffend formuliert waren. Gleichzeitig nimmt sich die Geschichte bewusst Zeit und erzählt eher leise. Wer einen temporeichen Roman erwartet, braucht vielleicht etwas Geduld. Für mich hat dieses entschleunigte Erzählen aber perfekt zur Geschichte gepasst.

Kaskaden ist für mich ein Roman, der nicht durch große Überraschungen überzeugt, sondern durch seine Figuren, seine Sprache und die vielen kleinen Momente dazwischen. Wer Geschichten mag, die emotional nachwirken, wichtige gesellschaftliche Themen aufgreifen und dabei ganz nah an ihren Figuren bleiben, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Mich hat es auf eine stille, aber sehr nachhaltige Weise beeindruckt.