"Und vielleicht ist das so, wenn man erwachsen ist: Man macht einfach weiter"

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badsnowwhite Avatar

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Der Einstieg in 'Kaskaden' beginnt direkt mit einer Beerdigung – mitten im Geschehen. Und dennoch gelingt es der Autorin, den Leser sofort abzuholen und tief in die Geschichte hineinzuziehen. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Jojo, wodurch ihre Gedankenwelt und ihr Innenleben besonders greifbar werden.

Die Molekularbiologin Jojo ist dabei alles andere als eine klassische Vorzeige-Hauptfigur – und genau das hat mir so gut gefallen. Durch ihre Unsicherheiten, Zwänge und ihre stellenweise Überforderung mit dem Leben wirkt sie unglaublich authentisch, nahbar und menschlich. Man möchte sehr schnell mehr über ihre Geschichte erfahren und das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Besonders begeistert hat mich der Schreibstil von Louise K. Böhm. Feinfühlig, beobachtend und voller kleiner Details, die Jojos Innenwelt fast greifbar machen. Trotz der eher sparsamen Verwendung von wörtlicher Rede wirkt der Text nie kühl oder distanziert – im Gegenteil: Die Sprache ist ruhig und unaufgeregt, gleichzeitig aber intensiv und emotional mitreißend. Ich habe mich wirklich in diesen Schreibstil verliebt.

Besonders hängen geblieben sind mir Sätze wie:
„Ich fühle mich gesehen, ohne mich beobachtet zu fühlen.“
oder
„Wie nahe kannst du einem anderen Menschen kommen, wenn du dich selbst nicht erträgst?“

Solche Gedanken ziehen sich durch das gesamte Buch und verleihen der Geschichte eine Tiefe, die noch lange nach dem Lesen nachhallt.

Ich möchte bewusst nicht zu viel zur Handlung verraten, weil ich niemandem die Erfahrung nehmen möchte, diese Geschichte selbst zu entdecken.

Ein kleiner persönlicher Kritikpunkt war für mich lediglich die Verwendung geschlechtergerechter Sprache, da sie meinen Lesefluss stellenweise etwas unterbrochen hat. Inhaltlich und sprachlich hat das Buch mich jedoch vollkommen überzeugt.

Für mich gehört 'Kaskaden' schon jetzt zu meinen Jahreshighlights. Umso beeindruckender finde ich, dass Louise K. Böhm hier ein Debüt vorgelegt hat – und für mich eines, das zeigt, wie viel literarisches Feingefühl und sprachliche Kraft in einem Erstlingswerk stecken kann.