Düster, eiskalt und absolut nervenzerreißend.

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fönbo Avatar

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Der Einstieg in Jo Nesbos "Kill Shot" wirft die Leserin / den Leser ohne Vorwarnung mitten in eine düstere, eiskalte Silvesternacht in Oslo.

Es ist absolut erschütternd zu lesen, an welchem mentalen Abgrund sich der alkoholkranke, ex-arbeitslose Ermittler Harry Hole zu Beginn befindet. Seine pure Verzweiflung und die inneren Dämonen sind so greifbar beschrieben, dass man beim Lesen fast selbst den Atem anhält. Ein unerwarteter Telefonanruf rettet ihn im letzten Moment, bevor kurz darauf im Internet grauenhaft inszenierte Videos von Morden auftauchen. Diese morbide Kunstfertigkeit des Täters, der seine Taten wie makabre Kurzfilme inszeniert, sorgt für eine beklemmende Gänsehautstimmung. Nesbo versteht es meisterhaft, eine unterschwellige, psychologische Spannung aufzubauen, die einen gefangen nimmt.

Die Atmosphäre ist typisch skandinavisch: rauchig, von Schnee bedeckt, melancholisch und zutiefst korrupt. Faszinierend finde ich das Szenario in der Osloer Filmcrew-Szene, in die Harry nun als Spezialist eintauchen muss.

Beim Lesen merkt man, dass hinter der schönen Fassade dieser "Künstlerfamilie" tiefe Abgründe und eiskalter Verrat lauern.

Der Schreibstil fließt unglaublich und wechselt zwischen Harrys innerer Zerrissenheit und dem harten Ermittleralltag. Katrine Bratt als vertraute Ermittlungspartnerin bringt zusätzlich eine tolle Dynamik in das gefährliche Katz-und-Maus-Spiel. Die im Schnee gefundene, mysteriöse Puppe lässt einen im Kopf eigene Theorien spinnen.

Für mich ist diese Leseprobe ein absolutes Versprechen für schlaflose Nächte und ein grandioses Must-Read für alle Nesbos-Fans.