Zwischen warmen Farben und Themen, die nur leise berührt werden

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lotta82 Avatar

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Kiss me in Orange liest sich leicht und hat eine herbstliche Atmosphäre, die jedes Jahr aufs Neue ihren Reiz entfaltet. Genau diese Stimmung – warmes Licht, Kleinstadtgefühl, ein Hauch von Nostalgie – trägt das Buch zuverlässig, und ich habe sie gern gelesen. Die Friends‑to‑Lovers‑Grundidee funktioniert ebenfalls gut: zwei Menschen, die eine gemeinsame Vergangenheit haben und sich langsam wieder annähern. Das ist ein solides Fundament, auf dem sich viel entwickeln könnte.

Allerdings bietet der Roman weniger Tiefe, als die Themen, die er anschneidet, eigentlich verlangen. Mehrfach werden Konflikte angerissen, die emotional schwer wiegen: alte Verletzungen, familiäre Erwartungen, Enttäuschungen, Loyalitätskonflikte. Doch vieles davon bleibt eher skizziert als wirklich ausgearbeitet. Die emotionale Entwicklung der Figuren wirkt dadurch oft wie ein schneller Sprung, nicht wie ein nachvollziehbarer Prozess.

Besonders die familiären Konflikte, die die Jugend der beiden Protagonisten offensichtlich stark geprägt haben, werden für meinen Geschmack zu rasch abgehandelt. Die beschriebenen Verletzungen sind eigentlich so gravierend, dass man erwarten würde, dass sie die Figuren über Jahre begleiten und prägen. Stattdessen werden sie innerhalb weniger Kapitel geglättet. Für mich wirkte das wenig glaubwürdig – ohne echte Auseinandersetzung, ohne therapeutische Begleitung, ohne sichtbaren inneren Prozess. Die Altlasten sind da, aber der Roman behandelt sie eher wie Randnotizen, die man schnell abhakt, um zur Liebesgeschichte zurückzukehren. Gerade hier hätte ich mir mehr Mut zur Tiefe gewünscht.

Auch mit den beiden Protagonisten tat ich mich etwas schwer. Emma bleibt in ihren Reaktionen sprunghaft, oft überfordert, manchmal schwer greifbar. Niclas hingegen ist sehr lieb, sehr geduldig, fast schon zu ausdauernd in seinem Werben um sie. Diese Dynamik erzeugt zwar Drama, aber für mich wenig echte Entwicklung. Es entsteht der Eindruck, dass viel passiert, aber wenig davon wirklich verarbeitet wird.

Was mir dennoch gefallen hat: die Nebenfiguren, die dem Roman ein fast serienhaftes Gefühl geben, die herbstliche Kulisse und der leichte, humorvolle Schreibstil. Das Buch lässt sich schnell lesen und eignet sich gut für eine entspannte Lektüre zwischendurch.

Mein Fazit:
Ein atmosphärischer Herbstroman mit einer schönen Grundidee, der sich angenehm liest, aber die Tiefe seiner eigenen Themen nicht ausschöpft. Die familiären Konflikte werden zu schnell geglättet, die emotionale Entwicklung bleibt oft an der Oberfläche. Für mich daher 3,5 Sterne.