Ein Goldstück für Cozy-Romance-Fans

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ninfee Avatar

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Ich habe es verschlungen. Nahezu von Anfang bis Ende in jeder Sekunde, die ich erübrigen oder eigentlich nicht erübrigen konnte. Warum?

Weil "Kiss me under the Winter Lights" von Anna Augustin von vorn bis hinten eine Königin unter den Cozy-Romances ist. Es stimmt einfach alles: Das Setting, die Hauptpersonen, die Schreibweise, die ganze Entwicklung der Geschichte und der Charaktere in dem Buch.

Die Protagonistin Amber ist sympathisch und authentisch und man spürt richtig, wie sie von so manchen Schatten der Vergangenheit verfolgt wird. Ihre Unsicherheit, ihre Ängste und ihre innere Zerrissenheit kann der Leser nachempfinden. Amber hat sich selbst verloren, um ihrer verstorbenen Mutter einen Traum zu erfüllen. Alleine schafft Amber es nicht, aus ihrem ganz persönlichen Teufelskreis auszubrechen, der sich seit dem Tod ihrer Mutter jährlich zu wiederholen scheint: tägliche Arbeit an dem Buch ihrer Mutter, während die eigenen Pläne auf Eis bleiben, immer mal wieder eine Beziehung, die in der Vorweihnachtszeit beendet wird. Ein Glück, dass sie aufgrund eines Faux-Pas und weil sie auf Social Media sehr bekannt ist, erstmal in die arktische Einsamkeit fliehen muss und Gelegenheit findet, ihre eigenen Träume wieder anzuerkennen.

Als zweiten Protagonisten haben wir Luke, der sich bei der im Perspektivenwechsel geschriebenen Geschichte ebenfalls seiner Vergangenheit stellen muss. Auch Luke ist direkt sympathisch, ein Familienmensch mit Leib und Seele, der alles für seine Lieben tun würde. Im Gegensatz zu Amber einer, der Weihnachten mit allen, was dazu gehört, liebt und bereits in der Vorweihnachtszeit ausgiebig Traditionen lebt.

Beide Charaktere gefallen mir extrem gut. Vor allem, weil sie das gesamte Buch über stimmig sind. Obwohl es relativ schnell deutlich wird, wie es zwischen beiden knistert, wird hier nichts überstürzt. Es sind vor allem die gemeinsamen Erlebnisse und der Kampf für eine gemeinsame Sache, die hier zu einer langsamen Annäherung führen, die sich nachvollziehbar und den Hintergründen der Charakteren angemessen anfühlt.

Und zusätzlich spielt das Buch auch noch in einem phänomenalen Setting im Norden Kanadas. Ich liebe es, wie man nebenbei so einiges über die Arktis lernt und Dank des so angenehmen und flüssigen Schreibstils der Autorin so gut in die beschriebene Welt eintauchen kann.

Ich empfehle das Buch allen, die eine schöne, herzerwärmende Geschichte lesen wollen, ohne Spice oder zu viele Dramen. Hier geht es einfach um zwei junge Erwachsene, die mit Enttäuschung und Trauer umgehen müssen, sehr unsicher sind und schließlich lernen, wieder Türen zu öffnen. Für andere, für sich selbst. Wer dazu noch den Zauber der Vorweihnachtszeit, so wie ich, erlegen ist, kommt hier voll auf seine Kosten.

Mein einziges Ärgernis: ich habe das Buch zu Früh gelesen. Es wäre wirklich der perfekte Schmöker für die Vorweihnachtszeit gewesen ;-)