Poetisch, selbstbewusst – eine Stimme gegen den Mythos
Saara El-Arifi lässt Kleopatra selbst sprechen – kraftvoll, poetisch und bewusst gegen die tradierten Bilder der verführerischen Legende. Der Prolog ist eindringlich und sprachlich sehr stark, fast beschwörend, mit einem klaren Anspruch auf Deutungshoheit. Gleichzeitig fordert der Ton Konzentration: Die Ich-Stimme ist pathetisch, stellenweise schwergewichtig und weniger erzählerisch als reflektierend. Historische Genauigkeit tritt zugunsten emotionaler Wahrheit zurück, was konsequent, aber nicht immer zugänglich ist. Ein literarisch ambitionierter Roman, der Kleopatra neu rahmt – mehr Erinnerung als klassische Historie, eindrucksvoll, aber nicht leicht.