Das Lied meines Herzens

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jenvo82 Avatar

Von

" So ist das mit den Geschichten, du musst immer auch die Geschichte des Erzählers kennen."

Inhalt

Als ihr Vater stirbt, rückt die junge Kleopatra in der Geburtenreihenfolge auf seinen Platz. Fortan soll sie als Pharaonin die Geschicke ihres Heimatlandes Ägypten leiten und lenken. Sie selbst nimmt die Herausforderung an, fühlt sich mit Land und Leuten eng verbunden und möchte, das Ägypten stark, autark und voller Wohlstand bleibt. Doch die Ränkespiele ihrer jüngeren Geschwister, die mit ihren Gegnern unseelige Verbindungen schließen, zwingt sie dazu, sich Verbündete aus Rom zu holen. Sie wendet sich an Julius Caesar, der ebenfalls ein Weltreich führt und ihr als Freund des verstorbenen Vaters seine Unterstützung zusichert. Doch die beiden verbindet bald mehr als nur politisches Interesse. Der römische Kaiser verfällt der deutlich jüngeren Kleopatra schnell und sie planen gemeinsam weiter zu regieren. Doch auch Caesars Gegner schmieden unheilvolle Pläne und die Geschichte nimmt ihren Lauf ...

Meinung

Hier war meine Neugier von Anfang an geweckt, denn obwohl ich schon einige Sachbücher über Kleopatra gelesen habe , wurde hier bereits klar kommuniziert, das es sich nicht um ein weiteres historisches Werk handelt, sondern um einen fiktiven Roman, in dem Kleopatra selbst ihre Geschichte erzählt. Die Idee fand ich sehr reizvoll und wollte mich gern mit den Gedanken der jungen Königin auseinandersetzen, auch wenn die Wahrheit hier natürlich keine sein wird, sondern lediglich der Phantasie der Autorin Saara El-Arifi entsprungen ist.

Ganz im Gegenteil, ich wollte mich auf die Spuren der Ägypterin begeben und habe mir erhofft, ihrem Denken und Handeln näher zu kommen. Prinzipiell hat mich dabei auch nicht die Fokussierung auf die Männer in Kleopatras Leben gestört auf wildes Begehren und Seelenverwandschaft. Trotzdem bin ich vom Gesamtpaket etwas enttäuscht.

Die Hauptprotagonistin bleibt mir hier leider viel zu blass, ich hatte das Gefühl keine echten Emotionen und Gedanken wahrzunehmen, sondern solche, die stets bemüht sind das Bild der Pharaonin aus der Historie mit dem als Frau in Einklang zu bringen. Geschwisterbeziehungen, Männerliebschaften und Mutterliebe sind zentrale Punkte im Handlungsverlauf, bleiben aber viel zu unbestimmt. Kleopatra sieht sich hier selbst in ihrer Rolle als historische Figur und versucht im Nachhinein ihre eigenen Gedanken zu den verfälschten, bruchstückhaften oder beschämenden Kommentaren der Schreiber darzulegen. Das ganze wirkt wie eine Rechtfertigung, für all die Dinge in ihrem Leben, die sie mit Schuld besudelt haben aber auch mit Glanz und Glorie. Lange Zeit hat es für mich keinen Sinn gemacht, warum sie als eine Art auktoriale Erzählerin auftritt, obwohl ich doch auf den inneren Monolog gehofft habe. Erst im Epilog erschließt sich der Zusammenhang, der mich allerdings noch wesentlich stärker mit den Augen hat Rollen lassen. Diese Wendung erklärt zwar einiges, verdirbt aber die Story nachhaltig und lässt mich hier nur zu einer mittelmäßigen Bewertung kommen.

Fazit

Für diesen fiktionalen Roman über das Leben und Wirken der sagenumwobenen Pharaonin vergebe ich 3 Lesesterne. Die Idee dieser Erzählung hätte äußerst vielversprechend sein können und eventuelle historische Faux-Pas hätte ich verziehen, doch die fehlende Nähe zur Erzählerin, ihr ständiges Kalkül sich selbst gegenüber und die Oberflächlichkeit mit der sie ihre Gedanken beschreibt, haben mich als Leser im Stich gelassen. Tatsächlich hatte ich nach dieser Lektüre eher das Gefühl eine schwächere Person kennengelernt zu haben, als das Bild jener Frau, die ich bisher vor meinem inneren Auge hatte, auch wenn dieses lediglich aus dritter oder vierten Hand stammen mag. Die schillernde, besondere Frau, die mit Kalkül ein Weltreich regiert, wirkt hier eher schwach, einsam und abhängig von anderen, obwohl sie ja genau dies weder war noch sein wollte. Es gibt bestimmt viele Leser, die an dieser Geschichte mehr Gefallen finden, sie ist kurzweilig, bildlich beschrieben und entwirft einen stimmigen Hintergrund. Vielleicht liest sich der Text mit weniger Kenntnissen und anderen Erwartungen richtig gut, für mich war es leider nicht das Richtige.