Eine Königin bekommt ihr Herz zurüc

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julchentim Avatar

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Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich erwartet habe. Ich lese seit meiner Kindheit alles, was ich über Ägypten finden kann. Geschichte, Mythen, Fakten. Kleopatra hat mich dabei immer begleitet, aber fast nie von ihrer Persönlichkeit überzeugt. Zu oft blieb sie eine Rolle, ein Bild, eine Zuschreibung. Diese Erzählung hat das Bild von ihr in meinem Kopf gewandelt.

Saara El-Arifi erzählt Kleopatra von innen heraus. Als Mädchen, als Frau, als Herrscherin. Ich habe ihre Unsicherheit gespürt, ihre Entschlossenheit, ihre Müdigkeit. Macht wirkt hier schwer. Verantwortung fühlt sich real an. Besonders berührt hat mich, wie viel Raum Freundschaft, Familie und Mutterschaft bekommen. Das ist äußerst selten und tut gut.

Der Fakt, dass hier die vierte Wand durchbrochen wird hat mich schnell abgeholt. Ich hatte das Gefühl, sie spricht wirklich mit mir. Nicht perfekt, nicht glatt, sondern ehrlich. Manche Passagen haben wehgetan. Andere waren leise und warm. Ich habe oft pausiert, um Gedanken wirken zu lassen.

Als jemand, der sich seit Jahren mit Ägypten beschäftigt, habe ich vieles wiedererkannt. Und doch habe ich Kleopatra neu gesehen. Nicht als Symbol, sondern als Frau, die in einer harten Welt ihren eigenen Weg sucht. Das Ende kannte ich. Trotzdem hat es mich getroffen.

Für mich ist das eine der stärksten literarischen Annäherungen an Kleopatra, die ich gelesen habe. Persönlich, nah und lange nachhallend.