Machtkämpfe, Verrat, Intrigen und Leidenschaft

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
annnna97 Avatar

Von

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte von Kleopatra VII. vom Tag ihrer Krönung bis zu ihrem Tod aus einer Ich-Perspektive. Es werden viele Seiten dieser sagenumwobenen historischen Figur beleuchtet und es wird versucht den Mythos aus Filmen, Büchern und Theaterstücken zu einer menschlichen Frau zu machen.

Dem Leser wird durch die Perspektive und den Schreibstil ein sehr persönlicher Blick auf Kleopatras Leben und ihre Gefühlswelt gegeben. Da die Geschichtsschreibung hauptsächlich durch Männer dominiert wurde, ist der Mythos Kleopatra, eine der mächtigsten Frauen der Geschichte, natürlich durch die patriarchale Sicht beeinflusst, sowohl durch ihre Zeitgenossen als auch durch die Männer nach ihnen. Dieser Roman versucht ihre Geschichte durch eine neuere und feministische Sicht zu erzählen, was teilweise auch gelungen ist.

Ich habe am Anfang ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, aber dann war es doch spannend und interessant zu lesen und hat mir insgesamt ganz gut gefallen. Sehr schön fand ich den Einsatz von Zitaten zeitgenössischer Literatur, die immer am Anfang jedes Teils einen interessanten Perspektivwechsel bildeten und teilweisen auch in den Kapiteln im Text mit eingearbeitet waren.
Die Atmosphäre und die Beschreibungen vom Leben und Alltag im alten Ägypten durch Farben, Gerüche, Geräusche etc. sind wirklich besonders gut gelungen, denn die Zeit und das Land ist beim Lesen richtig lebendig geworden und man könnte sich sehr gut hineinfühlen. Es war spannend über Kleopatras Beziehungen zu ihrer Familie, ihren Kindern, ihren Freunden, ihren Liebschaften und ihren Untertanen zu erfahren. Auch die Mischung aus Fiktion und historischen Fakten hat gut funktioniert, auch wenn der Fantasy-Aspekt für mich nicht hätte sein müssen, aber es war alles in sich stimmig.
Leider fand ich es insgesamt ein bisschen zu romantisiert und verklärt. Es zeichnet ein sehr idealisiertes Porträt von Kleopatra, was dann doch wieder sehr unnahbar wirkte trotz der Ich-Perspektive und mich emotional kaum richtig berührt hat. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Realismus gewünscht und vielleicht ein bisschen weniger Fokus auf ihre Liebhaber, da es sich an manchen Stellen eher wie ein Romantasy-Roman las.

Trotzdem ist es ein empfehlenswerter Roman für alle, die sich für eine neuere Erzählung dieser Geschichte interessieren.