ein Buch das sich anfühlt , wie großes Aufatmen

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floxe Avatar

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Ich muss direkt sagen: Dieses Buch hat mich erwischt. Richtig erwischt. Ich habe selbst ADHS, meine Töchter auch – und wir sind ständig auf der Suche nach Büchern, die das wirklich verstehen. Die nicht erklären, sondern zeigen. Die nicht beschämen, sondern stärken. Dieses hier tut genau das.
Das Cover
Schon das Cover trifft ins Schwarze. Ein Kind steht da, Hände vor dem Mund, und aus seinem Kopf explodiert ein buntes Chaos aus Konfetti, Linien, Farben, Kritzeleien. Wer ADHS kennt – von innen oder von außen – sieht sich sofort wieder. Das ist kein niedliches Kinderbuchcover. Das ist ein ehrliches Bild. Und das Wort „WOW!" daneben passt perfekt: verblüfft, überfordert und gleichzeitig irgendwie begeistert. Genau so fühlt es sich manchmal an.
Die Idee – die Konfettifabrik
Das Herzstück des Buches ist die Metapher der Konfettifabrik im Kopf. In jedem Gehirn läuft eine Fabrik, die Gedanken, Gefühle und Eindrücke verarbeitet. Bei ADHS laufen die Maschinen eben alle gleichzeitig, lauter, schneller, bunter. Manchmal landet das Konfetti am falschen Ort. Manchmal fliegt es einfach wild durch die Gegend.
Diese Idee ist so einfach und so gut, dass ich innerlich „ja, genau!" gerufen habe. Endlich eine Erklärung, die sich nicht klinisch anfühlt. Die Illustrationen dazu – detaillierte Fabrikbilder voller Rohre, Förderbänder und kleiner bunter Maschinen – sind ein echter Hingucker und machen das Unsichtbare sichtbar.
Der Schreibstil
Doreen Aldugan schreibt so, wie man mit Kindern redet – direkt, warm, ohne erhobenen Zeigefinger. Sie ist selbst Mama von vier Kindern und hat selbst ADHS. Das merkt man auf jeder Seite. Hier schreibt keine Fachperson von außen, sondern jemand, der weiß, wie es sich anfühlt. Das macht einen riesigen Unterschied.
Gleichzeitig gibt es Infokästen für Erwachsene, die wissenschaftlich fundiert sind, aber trotzdem verständlich bleiben. Und die Zitate der Diplom-Psychologin Anke Kaupp geben dem Buch nochmal eine besondere Tiefe – ohne es zu überladen.
Die Illustrationen
Emily Claire Völkers Bilder sind einfach wunderschön. Die Figuren sind vielfältig – verschiedene Hautfarben, verschiedene Körper, verschiedene Hintergründe. Das ist kein Zufall und das ist gut so. Jede Seite ist lebendig, bunt und voller kleiner Details, die man beim zweiten Hinschauen erst entdeckt. Die Gefühlsseiten – wo Wut als rotes Chaos und Traurigkeit als dunkle Wolke dargestellt werden – haben mich wirklich berührt. So sieht das aus, was man oft nicht in Worte fassen kann.
Was mich besonders bewegt hat
Als jemand, der mit ADHS aufgewachsen ist, ohne es lange zu wissen, hätte ich dieses Buch als Kind gebraucht. Der Satz „ADHS ist anders, aber nicht falsch" hätte damals so viel verändert. Und genau deshalb liegt dieses Buch jetzt bei uns zu Hause, für mich und für meine Töchter. Nicht als Lernbuch. Sondern als Begleiter.
Fazit
„Konfetti im Kopf" ist kein gewöhnliches Sachbuch. Es erklärt, ohne zu überfordern. Es benennt, ohne zu beschämen. Es stärkt, ohne falsche Versprechen zu machen. Für Familien wie unsere, in denen ADHS zum Alltag gehört, ist es ein echtes Geschenk.