Buch-Highlight
Der Roman „Lázár“ von Nelio Biedermann hat mich tiefer berührt, als ich es zu Beginn erwartet hätte. „Ich muss erstmal gucken, was meine Familie Lázár macht“, sagte ich mehr als einmal zu meinem Mann, bevor ich das Buch in die Hand nahm. So nah fühlte ich mich dieser Familie – als stünde ich neben ihnen im Salon oder säße mit am Tisch.
Biedermanns Sprache ist von einer bemerkenswerten Eleganz und Poesie getragen. Seine bildhaften Darstellungen verleihen dem Text eine sinnliche Dichte. Die Figuren werden weniger durch nüchterne Beschreibungen als vielmehr durch ihre Verhaltensweisen lebendig. In Gesten, Blicken, in dem, was gesagt – und vor allem in dem, was verschwiegen wird, entfalten sie ihre Konturen. Die Folgen des Unausgesprochenen ziehen sich wie ein feiner Riss durch Generationen.
Der Roman spannt einen großen historischen Bogen: von etwa 1900 über die Weltkriege bis zur Flucht der Familie in den 1950er Jahren. Die Familie Lázár ist dabei nicht nur eine private Gemeinschaft, sondern Spiegel ihrer Epoche. Selbst eine Adelsfamilie, so wird deutlich, ist letztlich nur eine Schachfigur im globalen Machtgefüge. Was bleibt von einem Leben, wenn einem Besitz, Heimat und Gewissheiten genommen werden?
Die hohe Erzähldichte hat mich beeindruckt. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne dass die Figuren an Tiefe verlieren. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Charakteren und Ereignissen ist so groß, dass man das Bedürfnis verspürt, sich Notizen zu machen – man möchte alles begreifen, alles ordnen. Doch genau darin liegt vielleicht eine der zentralen Aussagen des Romans: Das Leben folgt keinem klaren Plan. Es geschieht uns.
Ereignisse kippen ohne Vorwarnung. Positive und negative Entwicklungen folgen in engem Wechsel, sodass man als Leser:in kaum zur Ruhe kommt. Gerade noch befindet man sich in einer politischen, realistisch geschilderten Szene – im nächsten Satz wird sie durch eine humorvolle, fast absurde Passage gebrochen, die das Geschehen auflockert und zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt. Dieses stilistische Spiel verleiht dem Text eine Mehrschichtigkeit, die ihn über das rein Historische hinaushebt.
Anfangs erwartete ich eine vor allem unterhaltsame Familiengeschichte – und tatsächlich gibt es diese komischen, beinahe heiteren Momente. Doch im Verlauf des Romans wird deutlich, wie stark die Familiengeschichte in politische Umbrüche eingebettet ist. Szenen werden geschildert, die ich selbst zum Glück nie erleben musste, die mir aber aus Erzählungen älterer Generationen vertraut sind. Gerade diese Verbindung von persönlichem Schicksal und Weltgeschichte macht „Lázár“ so eindringlich.
Biedermann gelingt ein Roman über das Hineingleiten ins Leben und das allmähliche Ausscheiden aus ihm, über Verlust und Erinnerung, über das Weitertragen von Schuld und Schmerz.
Dem Urteil von Daniel Kehlmann kann ich mich nur anschließen: „[…] Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeit.“ Nach der Lektüre von „Lázár“ steht für mich fest: Das nächste Buch von Nelio Biedermann werde ich kaufen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen.
Leseempfehlung
„Lázár“ ist eine klare Empfehlung für alle, die literarisch anspruchsvolle Romane lieben, die Geschichte fühlbar machen. Wer poetische Sprache, vielschichtige Figuren und die Verwebung von persönlichem Schicksal mit politischer Realität schätzt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Es ist ein intensiver Roman, der Aufmerksamkeit fordert.
Biedermanns Sprache ist von einer bemerkenswerten Eleganz und Poesie getragen. Seine bildhaften Darstellungen verleihen dem Text eine sinnliche Dichte. Die Figuren werden weniger durch nüchterne Beschreibungen als vielmehr durch ihre Verhaltensweisen lebendig. In Gesten, Blicken, in dem, was gesagt – und vor allem in dem, was verschwiegen wird, entfalten sie ihre Konturen. Die Folgen des Unausgesprochenen ziehen sich wie ein feiner Riss durch Generationen.
Der Roman spannt einen großen historischen Bogen: von etwa 1900 über die Weltkriege bis zur Flucht der Familie in den 1950er Jahren. Die Familie Lázár ist dabei nicht nur eine private Gemeinschaft, sondern Spiegel ihrer Epoche. Selbst eine Adelsfamilie, so wird deutlich, ist letztlich nur eine Schachfigur im globalen Machtgefüge. Was bleibt von einem Leben, wenn einem Besitz, Heimat und Gewissheiten genommen werden?
Die hohe Erzähldichte hat mich beeindruckt. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne dass die Figuren an Tiefe verlieren. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Charakteren und Ereignissen ist so groß, dass man das Bedürfnis verspürt, sich Notizen zu machen – man möchte alles begreifen, alles ordnen. Doch genau darin liegt vielleicht eine der zentralen Aussagen des Romans: Das Leben folgt keinem klaren Plan. Es geschieht uns.
Ereignisse kippen ohne Vorwarnung. Positive und negative Entwicklungen folgen in engem Wechsel, sodass man als Leser:in kaum zur Ruhe kommt. Gerade noch befindet man sich in einer politischen, realistisch geschilderten Szene – im nächsten Satz wird sie durch eine humorvolle, fast absurde Passage gebrochen, die das Geschehen auflockert und zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt. Dieses stilistische Spiel verleiht dem Text eine Mehrschichtigkeit, die ihn über das rein Historische hinaushebt.
Anfangs erwartete ich eine vor allem unterhaltsame Familiengeschichte – und tatsächlich gibt es diese komischen, beinahe heiteren Momente. Doch im Verlauf des Romans wird deutlich, wie stark die Familiengeschichte in politische Umbrüche eingebettet ist. Szenen werden geschildert, die ich selbst zum Glück nie erleben musste, die mir aber aus Erzählungen älterer Generationen vertraut sind. Gerade diese Verbindung von persönlichem Schicksal und Weltgeschichte macht „Lázár“ so eindringlich.
Biedermann gelingt ein Roman über das Hineingleiten ins Leben und das allmähliche Ausscheiden aus ihm, über Verlust und Erinnerung, über das Weitertragen von Schuld und Schmerz.
Dem Urteil von Daniel Kehlmann kann ich mich nur anschließen: „[…] Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeit.“ Nach der Lektüre von „Lázár“ steht für mich fest: Das nächste Buch von Nelio Biedermann werde ich kaufen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen.
Leseempfehlung
„Lázár“ ist eine klare Empfehlung für alle, die literarisch anspruchsvolle Romane lieben, die Geschichte fühlbar machen. Wer poetische Sprache, vielschichtige Figuren und die Verwebung von persönlichem Schicksal mit politischer Realität schätzt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Es ist ein intensiver Roman, der Aufmerksamkeit fordert.