Schicksalhafte Begegnungen

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marielu Avatar

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Schicksalhafte Begegnungen

Zum Inhalt:
Kühlungsborn 1991. Der Mauerfall beunruhigt eine Frau. Grundstücksspekulanten sind an ihrem Haus interessiert, die Rentenkasse verlangt Nachweise und ein Brief eines Verwandten aus dem Westen versetzt sie in Schrecken. Ihre Gedanken wandern zurück in die Vergangenheit. Nicht nur ihr wurde damals viel abverlangt, nein, auch ihre Freundin Liselotte und ihre Cousine Lene mussten leiden. Wird jetzt ihr Geheimnis gelüftet? Zu gerne möchte sie noch einmal in ihre alte Heimat zurück, doch kann sie es riskieren?

Meine Meinung:
Mechtild Borrmann schreibt fesselnd und berührend über das Schicksal dreier Frauen, welches auf wahren Erzählungen beruht und von ihr fiktiv verarbeitet wurde. Schon nach den ersten Zeilen tauchte ich in die Zeitgeschichte ein, die im Wechsel eine Zeitspanne von 1930 bis 1993 umfasst und im Wechsel erzählt wird.
Während noch von der großen Liebe und der Hoffnung, dass sie sich erfüllt, geträumt wird, zerschlagen die NS-Zeit und der Krieg die Träume der Frauen. Lene kämpft um das Leben ihres Sohnes, der in den Augen der Regierung eine Last ist. Nora hilft ihr und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Nach der Kapitulation wird Nora zusammen mit ihrer Freundin Liselotte in den Gulag verschleppt, von dem es anscheinend keine Wiederkehr mehr gibt. Wie sich die einzelnen Begegnungen auf das weitere Leben der drei Frauen auswirken, wird hier wundervoll in einem fiktionalen Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, erzählt.
Mechtild Bormann bringt in dieser Geschichte wichtige geschichtliche Themen ins Spiel, die wir nie vergessen dürfen, u.a. den Umgang mit dem damals sogenannten „unwerten Leben“.
Ich fühlte mich, dank der leisen und doch so wuchtigen Erzählweise, den Frauen so nah, als würde ich direkt neben ihnen stehen. Ich spürte ihr Bangen und Hoffen, aber auch ihre Verzweiflung, und musste unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und wie es ausgeht. Deshalb konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, das mich nicht nur berührt, sondern auch nachdenklich zurückgelassen hat.

Fazit:
Ein historischer Roman, der leise und doch wuchtig an unsere Vergangenheit erinnert.