Was für Schicksalsschläge - sehr berührend

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geli73 Avatar

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Der Klappentext lässt erahnen, dass es sich hiern icht um leichte Kost handelt, ist doch von "Reichsausschusskind" und russischer Gefangenschaft in einem Gulag die Rede.


In zwei Zeitebenen erzählz Mechtild Bormann die Geschichte dreier Frauen. Beginnend mit einer Erzählerin im Jahr 1991, die in Kühlungsborn lebt, wird schon von einer Zeit gesprochen, die die ältere Dame am liebsten vergesssen will, als sie im Rahmen der Wiederveinigung von der Deutschen Rentenversicherung angeschrieben wird, um ihr Rentenkonto mit den Berufstätigkeiten der Jahre vor 1953 zu klären. Das versetzt die Frau in Panik und sie möchte am liebsten vergessen.


Dann springen wir über 60 Jahre zurück, ins Rheinland im Herbst 1931, wo die 17-jährige Lene gerade ihren Geburtstag feiert und sich bei einem Ball in einen jungen Mann verliebt, der als Taugenichts und Weiberheld verschrieen ist. Doch ihr Herz lässt sich nicht umstimmen und so trifft sich Lene immer wieder mit dem Holländer Joop, bis sie auffliegt. Ihre Eltern verbieten ihr, ihn wiederzusehen und schicken sie fort, um als Hausmädchen in Ratingen Stellung zu nehmen.


In jedem Kapitel wechselt die Erzählerstimme und lange ist mir nicht klar, wer die Frau ist, aus dessen Perspektive die Geschichte der Jetzt-Zeit spielt, und die immer mehr fürchtet, dass ihre Vergangenheit ans Licht kommt. Nur was ist damals geschehen, dass die Briefe, die sie erhält, sie so ängstigen?


Gerade die Teile, die in der Vergangenheit spielen, haben mich sehr mitgenommen. Man weiß als Leser ja, was auf die Protagonisten zukommt und kann sie doch nicht davor bewahren. Das Schicksal der drei Frauen über die Jahre ist von Angst und Schrecken, aber auch von Zusammenhalt und Mut gekennzeichnet. Lenes Sohn ist mit seiner Entwicklung hinterher und so wird er in ein Heim gesteckt, was für Kinder als Aufbewahrungsort dient, die der Ideologie der Nazis gemäß nicht lebenswert sind.


Auch die Zeit der Frauen, die lange Jahre im russischen Gulag Reparationsleistungen als Arbeiterinnen abdienen müssen, ist schrecklich. Dass sie überlebten, ist wiederum der Solidarität untereinander zu verdanken und doch ist keine danach noch die selbe wie vor dem Krieg.


Ich habe diesen Roman verschlungen und teilweise mit den Tränen kämpfen müssen, weil mich das Schicksal der Heldinnen so berührt hat.