Zarte Stimmen in dunkler Zeit

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
marli_04 Avatar

Von

Bereits das zurückhaltend gestaltete Cover vermittelt eine stille Ernsthaftigkeit und weckt die Erwartung eines nachdenklichen, historischen Romans. Mechtild Borrmann schildert die verflochtenen Lebenswege von Lene, Nora und Lieselotte, deren Begegnung in einer Zeit von Krieg, Angst und Willkür zu einer tragenden Freundschaft wird. Die Handlung spannt einen weiten zeitgeschichtlichen Bogen vom Nationalsozialismus über die Jahre der Verschleppung und Gefangenschaft bis in die Zeit nach dem Mauerfall. Besonders eindringlich ist Noras Einsatz für Lenes Sohn Leo, der zeigt, wie existenziell kleine Entscheidungen in unmenschlichen Systemen sein konnten. Gleichzeitig erzählt der Roman von Verlust, Schuld und der Frage, wie sehr vergangene Erlebnisse das spätere Leben prägen. Die Figuren sind fein gezeichnet und wirken in ihren Entscheidungen glaubwürdig und nahbar.
Der Schreibstil ist klar, ruhig und von großer Eindringlichkeit, wodurch die schweren Themen umso nachhaltiger wirken. Mit wenigen Worten erzeugt die Autorin starke Bilder und große emotionale Nähe. Die wechselnden Zeitebenen fügen sich harmonisch zusammen und verleihen der Geschichte Tiefe und Spannung, ohne unruhig zu wirken. Trotz der bedrückenden Thematik bleibt immer wieder Raum für Hoffnung, Mitgefühl und leise Zuversicht.
Ich habe „Lebensbande“ als tief bewegenden Roman erlebt, der lange nachwirkt und eindrucksvoll zeigt, wie stark Freundschaft und Mitgefühl selbst unter den grausamsten Umständen sein können.