Zeit tilgt keine Schuld

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nina2401 Avatar

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Mit Lebensbande ist Mechtild Borrmann wieder ein großartiger Roman gelungen, der mir ein weiteres Stück Vergangenheit näher bringt und mich von Anfang an tief berührt hat.

Sie schildert den Lebensweg von 3 Frauen, die zu Freundinnen werden und die für immer verbunden sind. Eindringlich und ohne jegliche Effekthascherei erzählt Mechtild Borrmann eine Geschichte über Schuld, Verantwortung und Verdrängung. Ich musste oft schlucken, denn das Schicksal geht manchmal grausame Wege, aber ich musste auch manchmal lächeln, denn immer mal wieder blitzt auch Hoffnung durch.

Die Autorin hat wie immer gründlich recherchiert. Historische und gesellschaftliche Hintergründe sind präzise eingearbeitet und bilden ein glaubwürdiges Fundament für die Handlung.

Die Sprache ist wie immer ruhig, klar und von großer emotionaler Kraft. Da ist kein Wort zu viel und alles ist treffend formuliert. Es ist aber auch immer wieder Platz für wunderschöne Sätze, die man nie wieder vergessen möchte: „Schuldbeladenes Schweigen füllte die Küche mit zweisamer Einsamkeit“ Ich liebe diesen Schreibstil einfach und er nimmt ein bisschen die Schwere aus der Handlung. Auch wenn es eine Geschichte über Freundschaft ist, sind die Lebenswege mitunter sehr schmerzlich … so wie es eben oft zu dieser Zeit gewesen ist.

Mit Lene, Nora und Lieselotte hat Mechtild Borrmann sehr unterschiedliche Charaktere geschaffen und ich habe jede auf ihre Art gemocht. Ich habe tiefes Verständnis für die Handlungen der Freundinnen gehabt, auch wenn nicht immer alles „richtig“ war.

Lebensbande ist eines der Bücher, die lange nachhallen und die man nie ganz vergisst.