Zeitgeschichte packend und berührend erzählt
"Lebensbande" der bekannten Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann, die in all' ihren Romanen um (teils unerzählte) zeitgeschichtliche Themen auf unterhaltsame, authentische und sehr berührende Weise behandelt und diese zum Kernthema hat, legt hier einen weiteren sehr lesenswerten Roman vor. Erschienen ist "Lebensbande" im Knaur-Droemer Verlag (2025, 281 Seiten, HC, gebunden).
Dies ist nicht mein erster Roman der Autorin (und wird auch nicht der letzte sein), da mir schon "Feldpost" und besonders "Der Geiger" sehr gut gefallen haben, war ich auf "Lebensbande" sehr gespannt. Meine Vorfreude wurde auch diesmal nicht enttäuscht!
"Lene, Nora und Lieselotte - drei Frauen, deren Schicksalsfäden vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall miteinander verbunden sind. Obwohl sie sich in einer Zeit der Angst und des Terrors als Fremde begegnen, werden sie zu Freundinnen, die einander Halt geben und große Risiken auf sich nehmen. Krankenschwester Nora tut alles, um Lene zu helfen, das Leben ihres kleinen Sohnes zu retten, der von den Nazis als "Reichsausschusskind" bezeichnet wird. 1942 lernt Nora Lieselotte kennen und wird mit ihr zusammen in einen russischen Gulag verschleppt - als eine der vielen Arbeitskräfte, die Stalin als Teil der Reparationsleistungen zugesichert worden waren. Als Adenauer sechs Jahre später beginnt, die deutschen Kriegsgefangenen zurückzukaufen, treffen die Frauen eine dramatische Entscheidung."
(Quelle: Buchrückentext des Verlags)
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten von ZeitzeugInnen, was ihn umso interessanter macht, wenn auch authentische Anteile und Fiktion miteinander literarisch verwoben sind. Der Inhalt ist im Buchrückentext bereits sehr gut widergespiegelt (daher mag ich diese oft lieber als Klappentexte) und es geht um verschiedene Themen vor und während des 2. Weltkrieges sowohl am Niederrhein, unweit der holländischen Grenze, wo Lene ihren Joop beim Tanzen kennenlernt und sich unsterblich in den jungen Holländer verliebt (was in der Familie Gertens, die einen Hof besitzt, gar nicht gut geheißen wird), als auch in Ratingen, wo Lene fortan die Stelle eines Hausmädchens besetzen soll, um Joop zu vergessen und wo sie Franz heiratet, mit dem sie bald Leo bekommt und später Zwillinge wie auch in Danzig, wohin es Lieselotte als Sekretärin verschlägt. Lotte ist lange Zeit vollkommen überzeugt vom Nationalsozialismus wie auch vom Sieg, was sich sehr spät dann doch ändern sollte und wo auch Nora als Krankenschwester arbeitet, nachdem sie wegen Widerworte in der Heil- und Pflegeanstalt Bonn einem Arzt gegenüber versetzt wird. Doch ihr Anliegen ist es, den kleinen Leo aus den erschütternden Mühlen der Kinder-Euthanasie (damals natürlich völlig anders, im fürsorglichen Sinne gemeinten Sprachgebrauchs von den Nazis benannt). Das Schicksal dieser drei mutigen Frauen wird im Verlaufe des Krieges und des Romans mehr und mehr miteinander verflochten und man fühlt als LeserIn die große Solidarität und Freundschaft, die zwischen ihnen herrscht und Schlimmeres zu verhindern imstande ist.
Hat man es anfangs mit einer "unbekannten" Figur zu tun, so verflechten sich auch hier die Themen und Inhalte recht schnell, denn als ein Neffe seinen Besuch in Kühlungsborn ankündigt (1993 spielt der zweite Erzählstrang des Romans), beginnt die Figur, in Kühlungsborn an der Ostsee wohnend, ihre Lebenserinnerungen in zwei Heften aufzuschreiben und möchte damit endlich die Wahrheit sagen, die sie lange ganz weit hinten in ihrem Kopf verdrängte... Da sie seither von Träumen heimgesucht wird, wird das Schreiben zu einer Notwendigkeit für sie und sie "entdeckte die heilende Kraft des Schreibens. Hatte Ordnung in ihr zerstückeltes Leben gebracht, die Teile miteinander verbunden". (Zitat)
Ausser der Euthanasie in der Nazizeit sind auch noch viele weitere Themen im Roman zu finden, die jedoch dann eher 'angerissen' sind (die Abwanderung vieler junger Menschen aus den neuen Bundesländern in den vermeintlich "Goldenen Westen" z.B.; auch die Tatsache, dass es auch nach 1945 noch viele überzeugte Nazis gab, die teils dieselben Ämter wieder innehatten, die sie vor 1933 besetzten. Doch hauptsächlich geht es um die Schicksale von Nora, Lieselotte und Lene, die vieles auf sich nahmen, um sich gegenseitig zu helfen - bzw. auch Kindern wie Leo, die schnell die Diagnose "schwachsinnig" bekamen und meist einen furchtbaren Leidensweg vor sich hatten, die Familien unterdes hilflos zusehen mussten (Waldniel kannte ich nicht, aber Hadamar und auch hier in meinem Bundesland gibt es eine psychiatrische Anstalt, die damals viele Insassen nach Hessen verbrachten, auch hierüber gibt es authentische Berichte von Zeitzeugen).
Der Autorin gelingt es, spannend und sehr unterhaltsam historische Themen literarisch zu verpacken und ihren LeserInnen die betreffenden LeserInnen nahezubringen. Mich haben sie mitunter auch zu weiteren Recherchen aufgefordert (Waldniel, Wokuta, Gulag etc.) und ich empfehle ihn daher sehr gerne an historisch interessierte LeserInnen weiter! 4,5* und 93° auf der Histo-Couch.
Dies ist nicht mein erster Roman der Autorin (und wird auch nicht der letzte sein), da mir schon "Feldpost" und besonders "Der Geiger" sehr gut gefallen haben, war ich auf "Lebensbande" sehr gespannt. Meine Vorfreude wurde auch diesmal nicht enttäuscht!
"Lene, Nora und Lieselotte - drei Frauen, deren Schicksalsfäden vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall miteinander verbunden sind. Obwohl sie sich in einer Zeit der Angst und des Terrors als Fremde begegnen, werden sie zu Freundinnen, die einander Halt geben und große Risiken auf sich nehmen. Krankenschwester Nora tut alles, um Lene zu helfen, das Leben ihres kleinen Sohnes zu retten, der von den Nazis als "Reichsausschusskind" bezeichnet wird. 1942 lernt Nora Lieselotte kennen und wird mit ihr zusammen in einen russischen Gulag verschleppt - als eine der vielen Arbeitskräfte, die Stalin als Teil der Reparationsleistungen zugesichert worden waren. Als Adenauer sechs Jahre später beginnt, die deutschen Kriegsgefangenen zurückzukaufen, treffen die Frauen eine dramatische Entscheidung."
(Quelle: Buchrückentext des Verlags)
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten von ZeitzeugInnen, was ihn umso interessanter macht, wenn auch authentische Anteile und Fiktion miteinander literarisch verwoben sind. Der Inhalt ist im Buchrückentext bereits sehr gut widergespiegelt (daher mag ich diese oft lieber als Klappentexte) und es geht um verschiedene Themen vor und während des 2. Weltkrieges sowohl am Niederrhein, unweit der holländischen Grenze, wo Lene ihren Joop beim Tanzen kennenlernt und sich unsterblich in den jungen Holländer verliebt (was in der Familie Gertens, die einen Hof besitzt, gar nicht gut geheißen wird), als auch in Ratingen, wo Lene fortan die Stelle eines Hausmädchens besetzen soll, um Joop zu vergessen und wo sie Franz heiratet, mit dem sie bald Leo bekommt und später Zwillinge wie auch in Danzig, wohin es Lieselotte als Sekretärin verschlägt. Lotte ist lange Zeit vollkommen überzeugt vom Nationalsozialismus wie auch vom Sieg, was sich sehr spät dann doch ändern sollte und wo auch Nora als Krankenschwester arbeitet, nachdem sie wegen Widerworte in der Heil- und Pflegeanstalt Bonn einem Arzt gegenüber versetzt wird. Doch ihr Anliegen ist es, den kleinen Leo aus den erschütternden Mühlen der Kinder-Euthanasie (damals natürlich völlig anders, im fürsorglichen Sinne gemeinten Sprachgebrauchs von den Nazis benannt). Das Schicksal dieser drei mutigen Frauen wird im Verlaufe des Krieges und des Romans mehr und mehr miteinander verflochten und man fühlt als LeserIn die große Solidarität und Freundschaft, die zwischen ihnen herrscht und Schlimmeres zu verhindern imstande ist.
Hat man es anfangs mit einer "unbekannten" Figur zu tun, so verflechten sich auch hier die Themen und Inhalte recht schnell, denn als ein Neffe seinen Besuch in Kühlungsborn ankündigt (1993 spielt der zweite Erzählstrang des Romans), beginnt die Figur, in Kühlungsborn an der Ostsee wohnend, ihre Lebenserinnerungen in zwei Heften aufzuschreiben und möchte damit endlich die Wahrheit sagen, die sie lange ganz weit hinten in ihrem Kopf verdrängte... Da sie seither von Träumen heimgesucht wird, wird das Schreiben zu einer Notwendigkeit für sie und sie "entdeckte die heilende Kraft des Schreibens. Hatte Ordnung in ihr zerstückeltes Leben gebracht, die Teile miteinander verbunden". (Zitat)
Ausser der Euthanasie in der Nazizeit sind auch noch viele weitere Themen im Roman zu finden, die jedoch dann eher 'angerissen' sind (die Abwanderung vieler junger Menschen aus den neuen Bundesländern in den vermeintlich "Goldenen Westen" z.B.; auch die Tatsache, dass es auch nach 1945 noch viele überzeugte Nazis gab, die teils dieselben Ämter wieder innehatten, die sie vor 1933 besetzten. Doch hauptsächlich geht es um die Schicksale von Nora, Lieselotte und Lene, die vieles auf sich nahmen, um sich gegenseitig zu helfen - bzw. auch Kindern wie Leo, die schnell die Diagnose "schwachsinnig" bekamen und meist einen furchtbaren Leidensweg vor sich hatten, die Familien unterdes hilflos zusehen mussten (Waldniel kannte ich nicht, aber Hadamar und auch hier in meinem Bundesland gibt es eine psychiatrische Anstalt, die damals viele Insassen nach Hessen verbrachten, auch hierüber gibt es authentische Berichte von Zeitzeugen).
Der Autorin gelingt es, spannend und sehr unterhaltsam historische Themen literarisch zu verpacken und ihren LeserInnen die betreffenden LeserInnen nahezubringen. Mich haben sie mitunter auch zu weiteren Recherchen aufgefordert (Waldniel, Wokuta, Gulag etc.) und ich empfehle ihn daher sehr gerne an historisch interessierte LeserInnen weiter! 4,5* und 93° auf der Histo-Couch.