Anders als erwartet

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bücherliebe74 Avatar

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Die Autorin Iris Wolff nimmt die Leserschaft mit in die Zeit 1943/44, in das Leben der damals 13jährigen Elisabeth in Hermannstadt / Siebenbürgen.

Der Roman ist geschrieben aus der Sicht von Elisabeth, die mit ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe für Menschen und Umgebung besticht.
Elisabeths Gefühlswelt ist ausführlich und authentisch dargestellt, auch die anderen, für die Geschichte wichtigen Personen, sind ähnlich dicht beschrieben. Elisabeth erscheint für ihr junges Alter recht reif zu sein, was eventuell der Lebensumstände dieser Zeit geschuldet sein könnte.

Elisabeth und Harriet, zwischen denen anfangs eine zarte, später sehr intensive Freundschaft entsteht, kommen aus sehr unterschiedlichen sozialen und gesellschaftlichen Schichten. Dies wird einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben.
Allerdings liegt der Schwerpunkt des Romans meiner Meinung nach deutlich stärker auf dem Großfamilien-Leben Elisabeths.
Die Mädchen-Freundschaft gewinnt erst nach der Hälfte des Romans an Gewicht. Hier hatte ich mir mehr erhofft.
Das Familienleben in Elisabeths Großfamilie wird ausführlich und authentisch beschrieben, besonders gut gefallen hat mir dabei die Rolle und Haltung der Großmutter.

Man gewinnt einen Einblick in das Leben unter dem Einfluss des Kriegsgeschehens und Themen wie Kriegspropaganda, Bund Deutscher Mädels und Arbeitsdienst-Einsätzen.

Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, atmosphärisch, unaufgeregt und ließ mich gut in die Handlung gleiten, aber leider am Ende zu abrupt mit zu vielen offengelassenen Parts zurück.

Insgesamt ist es ein fast sanfter Roman und vereint Themen wie Freundschaft, Loyalität, Hoffnung und Verlust.

3 von 5 Punkten!