Eine leise Geschichte, die lange nachklingt

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Ella und Harriet lernen sich als junge Mädchen in Hermannstadt in Siebenbürgen kennen. Aus einer zufälligen Begegnung entsteht eine enge Freundschaft. Doch ihre unbeschwerte Kindheit wird zunehmend von den politischen Veränderungen der Kriegsjahre geprägt. Der Zweite Weltkrieg dringt immer stärker in ihren Alltag ein und bringt Geheimnisse, Verluste und Abschiede mit sich. Jahre später blickt Ella auf diese Zeit zurück und erinnert sich an Harriet, ihre erste Liebe und die prägenden Jahre ihrer Jugend.

„Leuchtende Schatten“ ist für mich vor allem eine Geschichte über Freundschaft, Erinnerung und die Frage, was von Menschen bleibt, die einmal eine wichtige Rolle in unserem Leben gespielt haben. Die Verbindung zwischen Ella und Harriet hat mich dabei besonders berührt. Die beiden sind sehr unterschiedlich, fühlen sich aber von Anfang an auf eine besondere Weise miteinander verbunden. Iris Wolff erzählt diese Freundschaft mit viel Feingefühl und ohne sie unnötig zu dramatisieren. Gerade die kleinen Begegnungen und Gedanken haben mir dabei besonders gut gefallen.

Auch der historische Hintergrund hat für mich gut funktioniert. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg stehen nicht ständig im Mittelpunkt, sondern verändern nach und nach das Leben der Figuren. Dadurch wird die Geschichte für mich sehr greifbar. Man erlebt die politischen Veränderungen nicht nur als großes historisches Ereignis, sondern vor allem durch das, was sie mit Familien, Freundschaften und dem Leben eines jungen Menschen machen.

Besonders begeistert hat mich die Sprache von Iris Wolff. Sie schreibt sehr poetisch und bildhaft, bleibt dabei aber angenehm leicht. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, ganz nah an Ellas Erinnerungen zu sein. Vor allem die Beschreibungen von Siebenbürgen haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre gegeben.

Gleichzeitig ist „Leuchtende Schatten“ kein Roman, den ich schnell nebenbei lesen würde. Die Handlung entwickelt sich eher langsam und lässt sich viel Zeit für Erinnerungen, Beobachtungen und die Beziehungen zwischen den Figuren. An manchen Stellen musste ich mich deshalb erst auf das Erzähltempo einlassen. Für mich hat sich das aber gelohnt, weil die Geschichte dadurch eine ganz eigene Intensität bekommt.

Was mir besonders gefallen hat: Trotz der Themen Krieg, Verlust und Abschied ist das Buch nicht von Traurigkeit bestimmt. Über der Geschichte liegt zwar eine spürbare Melancholie, aber ebenso viel Wärme und Lebensfreude. Gerade diese Mischung fand ich sehr schön. Es geht um Vergänglichkeit und Verlust, aber gleichzeitig auch darum, wie wertvoll gemeinsame Zeit sein kann und wie stark uns bestimmte Menschen prägen.

Für mich ist „Leuchtende Schatten“ ein Roman, der weniger durch große Wendungen als durch seine Atmosphäre, seine Sprache und die leisen Momente wirkt. Ich habe die Geschichte von Ella und Harriet sehr gerne begleitet und fand es schön, wie lange sie nach dem Lesen noch in mir nachgewirkt hat. Ein ruhiges, poetisches Buch über Freundschaft und Erinnerung, auf das man sich einlassen sollte.