Freundschaft, Liebe und eine Welt im Umbruch

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belinablack Avatar

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"Leuchtende Schatten" ist Iris Wolffs zweiter Roman und nun neu als Taschenbuch erschienen. Ich hatte bereits zwei ihrer neueren Bücher gelesen und bin sehr froh, durch die Neuausgabe auf diesen früheren Roman gestoßen zu sein.

Die Geschichte führt nach Hermannstadt in Siebenbürgen während des Zweiten Weltkrieges. Die erwachsene Elisabeth, Elli genannt, erinnert sich an ihre Jugend, an die tiefe Freundschaft zu Harriet, ihre erste Liebe zu Leo und das Leben in einer volksdeutschen Großfamilie. Während Elli langsam erwachsen wird, brechen Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg immer stärker in diese Welt ein.

Iris Wolff erzählt davon in einer poetischen Sprache, die mich von Anfang an für sich eingenommen hat. Besonders Ellis Freundschaft mit Harriet und ihre Familie werden wunderbar beschrieben. Unterschiedliche Generationen, Charaktere und Haltungen prägen ihr Aufwachsen und geben ihr Halt, während die politischen Entwicklungen zunehmend auch das familiäre Zusammenleben verändern. Über den Erinnerungen liegt eine leise Melancholie, trotzdem ist "Leuchtende Schatten" für mich ein Roman voller Liebe, Hoffnung und Lebensfreude. Sehr schön bringt Elli das selbst auf den Punkt:

„Man kann sich immer entscheiden, welche Geschichte man erzählen will. Ich möchte von der Liebe erzählen und weiß, dass sie Leid enthält. Ich will von Freundschaft sprechen und erzähle von Verrat. Ich berufe mich auf Mut und Mitgefühl und kann unser Scheitern nicht verschweigen.“

Persönliche Erinnerungen und historische Ereignisse greifen hier ganz selbstverständlich ineinander. Das große Weltgeschehen wird darüber erfahrbar, was es mit Freundschaften, Familien und einem jungen Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenleben macht.

Für den Roman vergebe ich aus voller Überzeugung die volle Punktzahl. Von den drei Romanen Iris Wolffs, die ich bisher gelesen habe, ist dieser bislang mein Favorit.